{"id":182,"date":"2009-10-26T20:29:28","date_gmt":"2009-10-26T18:29:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eisner-elearning.at\/40_vorwaerts\/?p=182"},"modified":"2009-10-26T20:29:28","modified_gmt":"2009-10-26T18:29:28","slug":"chancen-der-aktuellen-demographie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/40_vorwaerts\/?p=182","title":{"rendered":"Chancen der aktuellen Demographie"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zw\u00f6lf Vorschl\u00e4ge, wie die demographische Chance genutzt werden kann<\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug bei der Geburt die Lebenserwartung der Frauen in Deutschland 48 und die der M\u00e4nner 45 Jahre. Heute liegt sie bei 82 und 77 Jahren. Die demographische Entwicklung hat das Leben der Menschen im Durchschnitt erheblich verl\u00e4ngert. Gleichzeitig erreicht man das h\u00f6here Alter auch bei besserer Gesundheit. Und der Trend setzt sich fort: Zuk\u00fcnftige Generationen werden noch l\u00e4nger und ges\u00fcnder leben.<\/p>\n<p>Dieser demographische Wandel birgt demographische Chancen:<\/p>\n<ul>\n<li>f\u00fcr die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten des Einzelnen,<\/li>\n<li>f\u00fcr die Entwicklung von Unternehmen und Arbeitswelt sowie<\/li>\n<li>f\u00fcr die Zukunftsf\u00e4higkeit der Gesellschaft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kurz: Der Gewinn an Lebenszeit stellt ein noch unausgesch\u00f6pftes Fortschrittspotenzial dar. Um dieses Potenzial zu nutzen, bedarf es allerdings des Muts und des Willens zur Ver\u00e4nderung. Insbesondere \u00fcberkommene institutionelle, kulturelle und soziale Ordnungen, aber auch lange gewachsene Gewohnheiten m\u00fcssen \u00fcberdacht und angepasst werden. Jeder Einzelne ist genauso gefordert wie Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr den Einzelnen bedeutet dies &#8230;<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>&#8230; die M\u00f6glichkeiten eines neuen Altersbildes zu erkennen und zu nutzen.<br \/>\n<\/strong>Wann ist ein Mensch alt? Mit 60? Mit 65? Oder doch erst mit 75 oder 80? Tatsache ist: Das kalendarische Alter ist eine rein rechnerische Gr\u00f6\u00dfe. Keine Lebensphase ist so individuell wie das Alter. Denn das Spektrum von F\u00e4higkeiten in einer Gruppe von Gleichaltrigen wird zunehmend breiter. Der Stempel \u201eAlt\u201c, der \u00c4lteren von der Gesellschaft verpasst wird, taugt f\u00fcr die pers\u00f6nliche Entwicklung und Lebensgestaltung nicht mehr. Ein 60- J\u00e4hriger ist heute so fit wie ein 55-J\u00e4hriger der vorherigen Generation. Wenn wir uns von \u00fcberkommenen Altersbildern l\u00f6sen, haben wir die Chance auf ein vielf\u00e4ltigeres, zufriedeneres und erf\u00fcllteres Leben.<\/li>\n<li><strong>&#8230; sich so oft wie m\u00f6glich weiterzubilden.<br \/>\n<\/strong>Die Voraussetzungen f\u00fcr ein erf\u00fclltes und produktives Leben im Alter entwickeln und erneuern wir im Verlauf unseres gesamten Lebens. Dies gilt besonders f\u00fcr die Weiterentwicklung unserer Kenntnisse und F\u00e4higkeiten \u2013 Stichwort \u201eLebenslanges Lernen\u201c. Nur wer die Ausbildungsphase vor dem Eintritt ins Berufsleben immer wieder durch Bildungsphasen w\u00e4hrend seines gesamten Berufslebens erg\u00e4nzt, kann die eigene Entwicklung im Verlauf eines abwechslungsreichen Berufslebens bef\u00f6rdern und sich auch in einer sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden Arbeitswelt behaupten. Statt \u201ef\u00fcnf Tage im Jahr\u201c sollten \u201ef\u00fcnf Jahre im Leben\u201c zum Richtwert bei der Gestaltung individueller Weiterbildungsbiografien werden. Denn ein Zusammenhang ist wissenschaftlich erwiesen: Wer lernt, lebt l\u00e4nger.<\/li>\n<li><strong>&#8230; sich von einseitigen Erwerbsbildern zu l\u00f6sen.<br \/>\n<\/strong>Ruhest\u00e4ndler wollen ihre Zeit nicht nur mit Ausruhen verbringen. Es gibt in den \u00e4lteren Generationen ein starkes Bed\u00fcrfnis, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Zugleich ist die verst\u00e4rkte Erwerbsbeteiligung dieser Gruppe aus volkswirtschaftlichen Gr\u00fcnden unerl\u00e4sslich. Die vielfach vorhandene Bereitschaft der \u00e4lteren Generationen, sich an der gesellschaftlichen Wertsch\u00f6pfung zu beteiligen, sollte genutzt werden. Beispielsweise durch einen gesonderten Arbeitsmarkt, der so genannte \u201ezweite Karrieren\u201c in nicht angestammten Arbeitsbereichen oder Branchen und mit ver\u00e4nderten Arbeitszeiten erm\u00f6glicht.<\/li>\n<li>&#8230; die Mitverantwortung f\u00fcr die eigene Gesundheit zu st\u00e4rken. Alter braucht Vorbereitung: Die Aussicht auf ein l\u00e4ngeres Leben sollte so fr\u00fch wie m\u00f6glich in die pers\u00f6nliche Lebensgestaltung einflie\u00dfen. Nur wer seine Gesundheit erh\u00e4lt, kann das l\u00e4ngere Leben umfassend nutzen. Der Gesetzgeber sollte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger deshalb bei der fr\u00fchzeitigen Vorsorge unterst\u00fctzen \u2013 etwa durch breit angelegte und m\u00f6glichst fr\u00fch einsetzende Bildungsprogramme und eine St\u00e4rkung der pr\u00e4ventiven Medizin.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>F\u00fcr Unternehmen und Tarifparteien folgt daraus &#8230;<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>&#8230; \u00e4ltere Menschen l\u00e4nger zu besch\u00e4ftigen \u2013 und neu einzustellen.<br \/>\n<\/strong>\u00c4ltere Menschen k\u00f6nnen mit ihrer Erfahrung, ihrem Wissensschatz und ihrer sozialen Kompetenz ma\u00dfgeblich zum Erfolg eines Unternehmens beitragen. Allerdings wird dieses Potenzial viel zu selten genutzt. Stigmatisierung und Fehlurteile versperren \u00e4lteren Menschen allzu oft den Zugang zum Arbeitsmarkt. Fakt ist aber: Ein R\u00fcckgang in der Produktivit\u00e4t \u00c4lterer bis 65 Jahre l\u00e4sst sich bisher in Untersuchungen nicht belegen.<\/li>\n<li><strong>&#8230; die Arbeitsorganisation zu optimieren.<br \/>\n<\/strong>Mit zunehmendem Alter lassen bestimmte F\u00e4higkeiten nach, andere wiederum nehmen zu \u2013 Arbeitnehmer haben nicht nur unterschiedliche, sondern auch sich ver\u00e4ndernde Leistungs- und Qualifikationsprofile. Um Mitarbeiter m\u00f6glichst produktiv einzusetzen, m\u00fcssen die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen verschiedener Altersgruppen bei der Arbeitsorganisation ber\u00fccksichtigt werden. Die Kunst der Arbeitsteilung besteht gerade darin, Menschen diejenigen Aufgaben zuzuordnen, die sie im Zusammenspiel mit anderen Menschen \u2013 auch anderen Alters \u2013 am besten erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>&#8230; T\u00e4tigkeitswechsel zu erleichtern.<br \/>\n<\/strong>\u00c4ltere Arbeitnehmer sind leistungsf\u00e4hig. Leider werden Menschen zu selten dort eingesetzt, wo ihre F\u00e4higkeiten am besten zum Zuge kommen. Um die Produktivit\u00e4tsreserven \u00e4lterer Arbeitnehmergenerationen zu aktivieren, m\u00fcssen T\u00e4tigkeitswechsel erleichtert werden.<\/li>\n<li><strong>&#8230; kontinuierlich in die Qualifikation der Mitarbeiter zu investieren.<br \/>\n<\/strong>Die Gleichung ist einfach: Ein Betrieb, der unter den Bedingungen des demographischen Wandels Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Produktivit\u00e4t bewahren will, muss die Wettbewerbsf\u00e4higkeit und die Produktivit\u00e4t seiner Mitarbeiter erhalten. Dies gelingt vor allem durch kontinuierliche Investitionen in Qualifikation und Kompetenzentwicklung aller Besch\u00e4ftigten. Lernf\u00e4higkeit ist eben keine Frage des Alters \u2013 und die Weiterbildung der Mitarbeiter eine zentrale Voraussetzung zur nachhaltigen Nutzung von Arbeitskraft. Bislang wird dieser Erkenntniszusammenhang noch zu selten in die Tat umgesetzt\u2013 gesetzgeberische Anreize f\u00fcr neue berufliche Chancen auch nach Vollendung des 50. Lebensjahres k\u00f6nnten die Situation verbessern.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>F\u00fcr Gesetzgeber, Verwaltungen, Medien und Verb\u00e4nde bedeutet das &#8230;<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>&#8230; aktiv auf die Revision eines negativ gepr\u00e4gten Altersbildes hinzuwirken.<br \/>\n<\/strong>Altern ist keine Krankheit. Tats\u00e4chlich bleiben wir l\u00e4nger gesund, in den letzten Jahren hat die Dauer der hochaltrigen Krankheits- und Abh\u00e4ngigkeitsphase abgenommen \u2013 und eben nicht zugenommen. Die Gesellschaft als Ganzes ist dazu aufgefordert, das einseitig negativ gepr\u00e4gte Altersbild zu revidieren.<\/li>\n<li><strong>&#8230; das Konzept des streng dreigliedrigen Lebenslaufes zu \u00fcberdenken.<br \/>\n<\/strong>Die Zeit der Ausbildung f\u00e4llt in die Jugend, die Berufst\u00e4tigkeit pr\u00e4gt das Leben der Erwachsenen, und im Alter genie\u00dfen wir den Ruhestand. Diese herk\u00f6mmliche Dreiteilung pr\u00e4gt leider noch immer unsere Auffassung von einem typischen und idealen Lebensweg. Sie l\u00e4sst die M\u00f6glichkeiten, die der demographische Wandel bietet, unber\u00fccksichtigt. Menschen werden aufgrund ihres Alters auf Rollen festgelegt und damit wird ihr Spielraum \u2013 auch ihr Leistungsspielraum \u2013 begrenzt. Wenn wir dagegen dieses unter den gegebenen demographischen Umst\u00e4nden zukunfts- und entwicklungsfeindliche Modell auflockern, lassen sich individuelle und gesellschaftliche Potenziale besser nutzen.<\/li>\n<li><strong>&#8230; neue M\u00f6glichkeiten zur gesellschaftlichen Partizipation zu schaffen.<br \/>\n<\/strong>37 Prozent der 60- bis 69-J\u00e4hrigen engagieren sich bereits heute zivilgesellschaftlich. Und weitere 25 Prozent \u2013 zwei Millionen Menschen \u2013 wollen es tun, wenn sich ihnen passende Gelegenheiten er\u00f6ffnen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diese M\u00f6glichkeiten zu schaffen. Denn die bessere gesellschaftliche Teilhabe \u00e4lterer Generationen schafft Mehrwert \u2013 f\u00fcr die \u00c4lteren selbst und f\u00fcr die Gesellschaft als Ganzes.<\/li>\n<li><strong>&#8230; den Generationenvertrag zu erneuern.<br \/>\n<\/strong>Der Krieg der Generationen f\u00e4llt aus: Die Produktivit\u00e4t der gewonnenen Jahre bietet auch einer Gesellschaft mit alternder Bev\u00f6lkerung die Chance auf Wachstum und Wohlstand. Die Nutzung dieses Potenzials geht nicht auf Kosten der j\u00fcngeren Generation. Vielmehr kann es nur einer Gesellschaft f\u00fcr alle Lebensalter gelingen, den demographischen Wandel in eine Chance zu verwandeln. Eine notwendige Erneuerung des Generationenvertrags ist daher m\u00f6glich, ohne dessen unbestrittene Errungenschaften in Frage zu stellen. Dazu bedarf es einer entsprechend ausgerichteten Arbeits-, Besch\u00e4ftigungs- und Gesundheitspolitik.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zitat verf\u00fcgbar unter: <a href=\"http:\/\/www.altern-in-deutschland.de\/de\/empfehlungen\/12_punkte_papier.html\">http:\/\/www.altern-in-deutschland.de\/de\/empfehlungen\/12_punkte_papier.html<\/a> [Datum des Zugriffs: 26.10.09]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug bei der Geburt die Lebenserwartung der Frauen in Deutschland 48 und die der M\u00e4nner 45 Jahre. Heute liegt sie bei 82 und 77 Jahren. Die demographische Entwicklung hat das Leben der Menschen im Durchschnitt erheblich verl\u00e4ngert. Gleichzeitig erreicht man das h\u00f6here Alter auch bei besserer Gesundheit. 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