{"id":474,"date":"2009-07-30T14:49:48","date_gmt":"2009-07-30T13:49:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eisner-elearning.at\/blog\/?p=474"},"modified":"2009-07-30T14:49:48","modified_gmt":"2009-07-30T13:49:48","slug":"anerkennung-perfsysteme","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/bmoblog\/?p=474","title":{"rendered":"Anerkennung vs. perfekte Systeme"},"content":{"rendered":"<p>Aus: <a title=\"Personal Zeitschrift f\u00fcr HR\" href=\"http:\/\/www.personal-im-web.de\/\" target=\"_blank\">Personal Nr.12<\/a> vom 01.12.1996, Seite 652; Autor: Gerhard Grassl, M\u00fcnchen<\/p>\n<p><strong>Personalbeurteilung &#8211; Die Anerkennung ist wichtiger als perfekte Systeme<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberall, wo Menschen zusammen sind, wird be-, ge- und verurteilt. Urteilen (und damit irren) ist menschlich. Es wird verglichen zwischen Vorg\u00e4nger und Nachfolger, bei Austritten und Versetzungen. Man (?) stellt fest, da\u00df es eben Mitarbeiter gibt, die schnellere, bessere, termingerechtere Arbeitsergebnisse bieten, die hilfsbereiter, freundlicher, aufgeschlossener, kompetenter sind als andere. &#8220;Man&#8221;, das sind die Kolleg(inn)en, die Mitarbeiter(innen), Chef(in) und insbesondere alle in- und externen &#8220;Kund(inn)en&#8221;, die im weitesten Sinne Nutznie\u00dfer der Arbeitsleistung des einzelnen oder einer Gruppe sind. Auch ganze Abteilungen haben fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ein ganz spezifisches Leistungs-Image. Ein einmal gewachsenes (Vor- )Urteil lastet dann wie ein dokumentensicherer Stempel auf den Betroffenen und ist nur schwer zu korrigieren.<\/p>\n<p>Aktionismus der 70er Jahre<\/p>\n<p>In den 70er Jahren herrschte die Vorstellung, da\u00df Leistung objektiv me\u00dfbar, zumindest aber me\u00dfbar und vergleichbar zu machen sei. Gewerkschafter sprechen gern von der Notwendigkeit, Gerechtigkeit herzustellen und der Willk\u00fcr der Vorgesetzten Einhalt zu gebieten. Emsig wurden Beurteilungsbogen entwickelt mit einheitlichen oder auch w\u00e4hlbaren (!) Beurteilungskriterien mit einheitlicher oder auch w\u00e4hlbarer (!) Gewichtung, mit einheitlichen Beurteilungsstufen (= Noten). Ein einheitlicher Ma\u00dfstab wurde vorgegeben in Gestalt eines unbedingt einzuhaltenen Durchschnittswerts und der Glocke von Gau\u00df hinsichtlich der Verteilungsh\u00e4ufigkeit. Die Chefs wurden durch einheitliche Trainings diszipliniert und eingeschworen. Als besonders fortschrittlich galt die &#8220;Vernetzung&#8221; mit anderen Systemen, insbesondere eine Leistungszulage in Prozent des laufenden Grundentgelts, die unmittelbar aus der Beurteilung folgt. Begeistert machten sich die Chefs ans Kreuzchenmachen. Ern\u00fcchterung erlebten sie, als die Personalabteilung sich anma\u00dfte, ihre Ergebnisse zu korrigieren und die Vorgaben (siehe vorstehend!) einforderte.<\/p>\n<p>Faustdick kam es beim Beurteilungsgespr\u00e4ch auf die Frage, aufgrund welcher Vorkommnisse der Chef denn gerade diese Beurteilungsstufe richtig f\u00e4nde. Es fehlten n\u00e4mlich (Gott sei Dank!) l\u00fcckenlose Aufzeichnungen \u00fcber die Leistungen an 365 Tagen. Wenn der Chef dann sagte (tausendmal geschehen): &#8220;Ich h\u00e4tte Sie ja besser gesehen, aber die Personalabteilung &#8230;&#8221; dann wares um die Glaubw\u00fcrdigkeit der ganzen Aktion geschehen.<\/p>\n<p>Auf der ANALYTIK &#8217;96 der Hamburger Unternehmensberatung CONSULECTRA (vgl. Kiefer, in: PERSONAL 96\/216) waren sich die Profis wieder einmal einig: die negativen Erfahrungen mit Beurteilungssystemen \u00fcberwiegen!<\/p>\n<p>Warum wird die systematische Leistungsbeurteilung abgelehnt? Selbst wenn beim (unbedingt notwendigen) Training der Beurteiler keine Fehler gemacht worden sind, so stellt sich eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter ein deutlicher Erm\u00fcdungseffekt bei allen Beteiligten ein, bei den Beurteilern, den Beurteilten und sogar bei den koordinierenden Stellen. Gr\u00fcnde daf\u00fcr\u00a0 sind:<\/p>\n<p>1. Der Mensch wurde \u00fcbersehen<\/p>\n<p>Absender und Adressat der Beurteilung sind Menschen mit all ihren \u00c4ngsten, Interessen, Bed\u00fcrfnissen und Erwartungen. Beiden ist an ihrem Image, ein guter Beurteiler\/leistungsstarker Mitarbeiter (Ehrensache) zu sein, gelegen. Jeder Mensch ist ein Original und will in dieser seiner\u00a0 Einmaligkeit akzeptiert, respektiert, ja sogar gef\u00f6rdert werden. Vor allem aber will er nicht verletzt werden! Ich habe immer wieder erlebt, da\u00df sich Mitarbeiter an ein massives Kritikgespr\u00e4ch nicht mehr erinnern konnten (Verdr\u00e4ngung). Zum Gl\u00fcck ist heute eine Zeit angebrochen, in der die Gef\u00fchlsseite des Menschen als entscheidend f\u00fcr die menschlichen Beziehungen anerkannt wird. Mit ein paar Beurteilungskriterien (vielleicht auch noch willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlten) und einigen Noten l\u00e4\u00dft sich die menschliche Pers\u00f6nlichkeit mit ihrer individuellen Werteskala nicht ann\u00e4hernd erfassen. Das gilt auch f\u00fcr die Arbeitsleistung, die der Mitarbeiter vor dem Hintergrund seines pers\u00f6nlichen Potentials und seiner momentanen Lebenssituation erbringt.<\/p>\n<p>2. Der Objektivierungswahn<\/p>\n<p>Bei allen Bem\u00fchungen um eine Versachlichung des Beurteilungsvorganges durch Hilfsmittel ist und bleibt jede Beurteilung ein subjektiver Akt: Mit dieser sich langsam durchsetzenden Erkenntnis findet der &#8220;Objektivierungswahn, die Zuflucht in scheinobjektive Prozeduren&#8221; (Peter Derschka, Management Wissen 8\/89) mehr und mehr ein Ende. Der Augsburger Psychologieprofessor Oswald Neuberger charakterisiert Beurteilungssysteme als &#8220;rituelle T\u00e4uschung bzw. Selbstt\u00e4uschung&#8221;.<\/p>\n<p>3. Nicht auf die Vergangenheit, auf die Zukunft kommt es an<\/p>\n<p>Eine sinnvolle Beurteilung zielt auf eine Verbesserung der k\u00fcnftigen Arbeitsergebnisse, der k\u00fcnftigen Qualifikation und vor allem auf das Erkennen und Aussch\u00f6pfen des vorhandenen Potentials. Leistungshemmende Barrieren sollen dabei gemeinsam erkannt und beseitigt werden. In der Vergangenheit gezeigte Leistungen k\u00f6nnen allenfalls als Ankn\u00fcpfungspunkte, als Anschauungsmaterial f\u00fcr konkrete Verbesserungsma\u00dfnahmen hilfreich sein. Noten &#8211; wie in der Schule (f\u00fcr unterbliebene Wissensaufnahme = &#8220;Vorr\u00fccken gef\u00e4hrdet&#8221;) sind im Betrieb fehl am Platz &#8211; ausgenommen Disziplinarma\u00dfnahmen oder verhaltensbedingte K\u00fcndigung. Was aber ist Gegenstand der meisten Beurteilungssysteme? Die im vergangenen Jahreszeitraum erbrachten Leistungen. H\u00e4ufig f\u00fchren sie auch noch zu Leistungszulagen f\u00fcr alle Ewigkeit, egal, welche Leistungen der Mitarbeiter k\u00fcnftig erbringt.<\/p>\n<p>4. Scheingenauigkeit durch analytische Beurteilung<\/p>\n<p>In aller Regel sind Beurteilungssysteme \u00fcberfrachtet mit einer Vielzahl von Beurteilungskriterien &#8211; in dem Streben nach Perfektion, um nur ja keine Leistungsfacette zu \u00fcbersehen. Es kommt zu \u00dcberschneidungen und damit zu Doppelbewertungen. Es hat sich au\u00dferdem gezeigt, da\u00df Beurteiler ihre mehr intuitiv summarische Leistungseinsch\u00e4tzung gezwungenerma\u00dfen auf die vorgesehenen Kriterien willk\u00fcrlich verteilen. Zu viele Beurteilungsstufen (= Noten) \u00fcberfordern den Beurteiler. Egal, ob 9, 7 oder 5 Stufen zur Verf\u00fcgung stehen, konzentrieren sich die tats\u00e4chlich verwendeten Stufen zu 90 % auf 3 Stufen!<\/p>\n<p>5. Die unverstandene relative Beurteilung<\/p>\n<p>Beurteilung ist in doppelter Hinsicht relativ: Zum einen werden die Anforderungen, Ziele und Aufgaben mit den Ergebnissen verglichen (vgl. Abb. 1), zum anderen erfolgt ein Vergleich mit vergleichbaren Mitarbeitern. Dieser doppelte Vergleich bedingt Konsequenzen, die ohne ausreichende Aufkl\u00e4rung aller Beteiligten, vor allem der Beurteilten, unverstanden bleiben m\u00fcssen und zu Entt\u00e4uschung und sch\u00e4dlicher Rivalit\u00e4t f\u00fchren k\u00f6nnen. So erbringt beispielsweise ein Mitarbeiter bei gleichgebliebener Aufgabenstellung eindeutig bessere Leistungen als im Vergleichszeitraum. Sein Beurteilungswert aber bleibt unver\u00e4ndert oder verschlechterte sich sogar, weil seine Kollegen noch besser waren. Mu\u00df n\u00e4mlich der Durchschnittswert der Gruppe gleich bleiben, ergibt sich dieser Effekt zwangsl\u00e4ufig! In einem anderen Fall mu\u00dfte die personelle Kapazit\u00e4t aufgrund von Kosteneinsparungen verringert werden. Auf die wenigen noch verbliebenen Kollegen entfielen jeweils mehr und meist auch schwierigere Aufgaben. Bei der Beurteilung bleibt jedoch trotz erh\u00f6hter Leistungen der Beurteilungswert konstant. Au\u00dferdem wird von Mitarbeitern in h\u00f6herer Einstufung (Tarifgruppe) f\u00fcr denselben Beurteilungswert mehr Leistung verlangt als von Vergleichspersonen in niedrigerer Einstufung.<\/p>\n<p>6. Koppelung Beurteilungswert und Leistungszulagen<\/p>\n<p>Die unmittelbare &#8220;Vernetzung&#8221; von Beurteilung und Entgelt f\u00fchrt zu unbefriedigenden Ergebnissen:<\/p>\n<ul>\n<li>K\u00fcnftige Leistungszuschl\u00e4ge basieren (meist f\u00fcr alle Ewigkeit) auf Vergangenheitsleistungen (vgl. vorstehend Punkt 3).<\/li>\n<li>Die unter Punkt 5 beschriebene relative (= vergleichende) Beurteilung f\u00fchrt zu nicht verst\u00e4ndlich zu machenden Schwankungen des Entgelts.<\/li>\n<li>Leistungszulagen als fester Bestandteil des laufenden Entgelts werden als Besitzstand betrachtet. Die rechtliche M\u00f6glichkeit einer K\u00fcrzung bleibt meist Theorie.<\/li>\n<li>Um Absenkungen der Leistungszulagen f\u00fcr die Mitarbeiter zu vermeiden, manipulieren Chefs die Beurteilung so, da\u00df die Zulagen unver\u00e4ndert bleiben. Die Beurteilung wird sozusagen &#8220;von hinten&#8221; aufgerollt, um den Mitarbeitern nicht weh tun zu m\u00fcssen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>7. Inflation durch allj\u00e4hrliche Routine<\/p>\n<p>Chefs neigen dazu, gleichbleibend gute Leistungen immer besser zu beurteilen. Sie genieren sich, dem Mitarbeiter gegen\u00fcber jedes Jahr sagen zu m\u00fcssen: &#8220;Gut, aber auch nicht besser!&#8221; &#8220;Die Massenflucht der Vorgesetzten in den oberen und Spitzenbereich der Beurteilungsskala war\u00a0 dauerhaft nicht aufzuhalten&#8221; (Helmut Kremer, Fa. Siemens, in: Management Wissen 8\/89). Zahlreiche Firmen der bayerischen Metallindustrie sind deshalb dazu \u00fcbergegangen, die j\u00e4hrliche Aktion auszusetzen und allen Mitarbeitern die gleichen tariflichen Leistungszulagen auf hohem Niveau zu zahlen!<\/p>\n<p>8. Unzeitgem\u00e4\u00dfe Kriterien gef\u00e4hrden den Unternehmenserfolg<\/p>\n<p>Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt M\u00fcnchen, Friedel Schrey\u00f6gg, machte unl\u00e4ngst bei einem Arbeitsmarktgespr\u00e4ch darauf aufmerksam, da\u00df das &#8220;Durchsetzungsverm\u00f6gen&#8221; nach wie vor als wichtigstes Anforderungsprofil und Beurteilungskriterium von F\u00fchrungskr\u00e4ften angesehen und damit das &#8220;Klischee des starken Mannes zum Denkmal&#8221; erhoben wird. Der Chefin\/ dem Chef von heute und morgen w\u00fcrde dagegen die Eigenschaft eines sensiblen Moderators\/Beraters\/Coach besser stehen! Die Leistung der Gruppe r\u00fcckt mehr und mehr in den Mittelpunkt, der individuelle Leistungsbeitrag orientiert sich am Bed\u00fcrfnis der Gruppe. Galt fr\u00fcher die Mengenleistung in den Fabriken (Akkordlohn) als wichtigstes Ergebnis, so ist an ihre Stelle l\u00e4ngst die vom Kunden gew\u00fcnschte Qualit\u00e4t, Termintreue sowie der Service getreten. Wer das nicht rechtzeitig erkannt hatte, den bestrafte der Markt. Diesen Ver\u00e4nderungen sind aber bisher die wenigsten Beurteilungssysteme gefolgt.<\/p>\n<p>9. Der Drang zur Mitte<\/p>\n<p>Bei allj\u00e4hrlich sich wiederholender Beurteilung ergibt sich unaufhaltsam eine Konzentration zum Mittelwert (allenfalls durch Inflation nach oben verschoben). Das hat drei Gr\u00fcnde:<\/p>\n<ul>\n<li>Dauerhaft &#8220;schlechte&#8221; Mitarbeiter werden versetzt, entlassen.<\/li>\n<li>Topleute werden so lange bef\u00f6rdert und mit h\u00f6herwertigeren Aufgaben betraut, bis sie &#8211; im Vergleich zu ihresgleichen &#8211; ebenfalls zur Mitte wandern.<\/li>\n<li>Chefs haben h\u00e4ufig nicht den Mut, dauerhaft Extremwerte &#8220;zu verkaufen&#8221;: untere Extremwerte nicht dem betroffenen Mitarbeiter, obere Extremwerte nicht den Kollegen oder der koordinierenden Stelle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Beurteilungswerte aller Mitarbeiter unterscheiden sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter nur noch durch Kommawerte. Lohnt sich dann das aufwendige Verfahren noch?<\/p>\n<p>10. Das allj\u00e4hrliche Beurteilungsgespr\u00e4ch erstarrt<\/p>\n<p>Haben Sie schon einmal zehn Jahre lang vor dem Hintergrund eines gleichbleibenden Systems dieselben Mitarbeiter beurteilen m\u00fcssen? Ich garantiere Ihnen, da\u00df Sie \u00fcber ganz andere Dinge (n\u00e4mlich wichtigere) reden als \u00fcber die &#8220;Erf\u00fcllung ihrer Anforderungen&#8221; beim Kriterium &#8220;Arbeitsmenge&#8221;! Wir sind auf dem richtigen Weg Personalpolitik mit all ihren Instrumenten folgt dem Zeitgeist. Diskussionen und die Literatur zeigen eindrucksvoll, wie der Wertewandel in den Betrieben durchschl\u00e4gt:<\/p>\n<ul>\n<li>Visionen 2000, 2005, 2010 &#8230;,<\/li>\n<li>Denken in Prozessen statt in funktionalen Organisationen mit absoluter Kundenorientierung (Kunde ist dabei auch der Kollege),<\/li>\n<li>Dezentralisierung,<\/li>\n<li>Internationalisierung mit joint ventures, Fusionen, Betriebs\u00fcberg\u00e4ngen,<\/li>\n<li>Hierarchieabbau mit weitgehender Befugnisdelegation,<\/li>\n<li>Beurteilung von unten nach oben,<\/li>\n<li>Zielvereinbarungen,<\/li>\n<li>Gruppenarbeit,<\/li>\n<li>KVP sowie<\/li>\n<li>Feedback und Gespr\u00e4chskultur nach allen Seiten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Ver\u00e4nderungen zeigen sich ebenfalls in einem Wandel der Begriffe (vgl. Abb. 2). Auch das Beurteilungswesen hat sich dementsprechend gewandelt und wird es weiterhin tun m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wie wichtig ist eine Verg\u00fctung nach Leistung?<\/p>\n<p>Nicht erst seit Reinhard K. Sprengers Bestseller &#8220;Mythos Motivation&#8221; wissen wir, da\u00df das eigentlich Motivierende die Arbeit selbst ist. Die Aufgaben, besser die Ziele m\u00fcssen klar und der Entscheidungsrahmen angemessen gro\u00df sein. Der &#8220;Operateur&#8221; mu\u00df den Sinn seiner Arbeit und alle die in- und externen Nutznie\u00dfer seiner Arbeitsergebnisse und Dienstleistungen kennen und mit ihnen m\u00f6glichst unmittelbar kommunizieren k\u00f6nnen. Er mu\u00df sich mit seiner Arbeit identifizieren, auf seine Ergebnisse stolz sein k\u00f6nnen. (Paradebeispiel: M\u00fclltonnenleerer wird zum Umwelt-\/Entsorgungsspezialisten!) Sorgt dann der Chef f\u00fcr das Drumherum (Arbeitsbedingungen, realistische Zielvereinbarungen, spontanes, positives Feedback mit Anerkennung und &#8211; wo n\u00f6tig &#8211; konstruktive Kritik, vgl. Abb. 3), so l\u00e4uft das meiste fast von selbst.<\/p>\n<p>Doch halt! Welche Rolle spielt dabei die leistungsorientierte Verg\u00fctung? Ich meine &#8211; hoffentlich entt\u00e4usche ich Sie nicht &#8211; eine relativ (gegen\u00fcber dem oben Gesagten) geringe! Die &#8220;richtige&#8221; Arbeit, die Spa\u00df macht, die netten Kollegen, der faire Chef, die erfolgreiche Firma mit sicherem Arbeitsplatz rangieren bei der allj\u00e4hrlichen Meinungsbefragung &#8211; wenn auch mit wechselndem Stellenwert &#8211; in der Regel weiter oben als die Bezahlung. Aber &#8211; und das wei\u00df jeder aus eigener Erfahrung &#8211; ein &#8220;Extra&#8221; als materiell sichtbare Anerkennung f\u00fcr eine besondere Leistung ist &#8211; auch bei h\u00f6heren Einkommensklassen &#8211; ein erg\u00e4nzender Anreiz.<\/p>\n<p>Wie sieht ein modernes Beurteilungswesen aus?<\/p>\n<p>1. Vermeiden Sie &#8220;Systeme&#8221;!<\/p>\n<p>Warum? Das entnehmen Sie bitte den vorgenannten 10 Gr\u00fcnden. Wenn Sie aber ein System m\u00f6chten, so mu\u00df es einfach sein, damit es von allen Beteiligten verstanden und akzeptiert werden kann. Der Ablauf soll unb\u00fcrokratisch sein. Konzentrieren Sie sich auf wenige zeitgem\u00e4\u00dfe Kernkriterien, wobei &#8220;Qualit\u00e4t&#8221; und &#8220;soziale Kompetenz&#8221; nicht fehlen sollten. Verzichten Sie auf w\u00e4hlbare Kriterien und Gewichtungen, Sie komplizieren das Verfahren und der Beurteiler setzt sich dem Vorwurf der Manipulation aus. Die Beurteilungsstufen m\u00fcssen positiv &#8220;verkaufbar&#8221; sein (vgl. Abb. 4), dann k\u00f6nnen Sie auch auf die l\u00e4stigen Vorgaben verzichten. Die Notenskala sollte gerade sein, um den Drang zur Mitte aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>2. Keine unmittelbare Verkn\u00fcpfung mit Leistungszulagen<\/p>\n<p>Bei einer Verkn\u00fcpfung zahlen Sie f\u00fcr eine (vielleicht einmalige, zuf\u00e4llige) Leistung der Vergangenheit und schaffen kostspielige Besitzst\u00e4nde.<\/p>\n<p>3. Management by Objectives (MbO)<\/p>\n<p>F\u00fchren Sie mit Zielvereinbarungen, nicht mit Zielsetzungen. Es gibt derzeit kein bew\u00e4hrteres und er\u00adfolg\u00adreicheres Instrument f\u00fcr eine klare Aufgabenstellung hinsichtlich:<\/p>\n<ul>\n<li>Routinezielen,<\/li>\n<li>Verbesserungszielen (auch hinsichtlich der zwischenmenschlichen Beziehungen) sowie<\/li>\n<li>pers\u00f6nlichen Entwicklungszielen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sie zwingen alle zum fortw\u00e4hrenden Gespr\u00e4ch und helfen, Kommunikationsprobleme zu vermeiden. Zielvereinbarungen k\u00f6nnen auch mit Gruppen geschlossen werden. Das F\u00fchren mit Zielvereinbarungen schafft mit der Zeit von selbst die Feedback- und Gespr\u00e4chskultur, die alle Beurteilungssysteme \u00fcberfl\u00fcssig macht.<\/p>\n<p>4. Variable Einmalzahlungen<\/p>\n<p>Honorieren Sie herausragende Extra-Leistungen mit spontanen, einmaligen Extra-Honoraren als materiell sichtbare Anerkennung. Aber \u00fcbertreiben Sie nicht, denn die Mi\u00dfgunst der (vermeintlich) Leerausgegangenen kann das Klima vergiften. Mit Einmalzahlungen erh\u00f6hen Sie nicht das Entgeltniveau f\u00fcr alle Ewigkeit, schaffen keinen Dauerbesitzstand, sind immer wieder frei. Gelingt Ihnen die Anerkennung durch Gutscheine f\u00fcr Firmenprodukte, so k\u00f6nnen Sie und die Mitarbeiter Lohnsteuer und SV-Beitr\u00e4ge einsparen (derzeit bis 2.400,- DM\/Jahr Freibetrag). Wenn Sie mit den Einmalzahlungen nicht gerade ein &#8220;System&#8221; verbinden, bleiben Sie in einer mitbestim\u00admungsfreien Zone (\u00b0 87 Nr. 10\/11, BetrVG). Das Budget ist in jedem Fall mitbestimmungsfrei.<\/p>\n<p>Vor kurzem gelang mir &#8211; gemeinsam mit dem Betriebsrat &#8211; das Experiment einer Gruppenpr\u00e4mie. F\u00fcr die erfolgreiche rechtzeitige Erledigung mehrerer gr\u00f6\u00dferer Projekte (Zielvereinbarungen) wurde einer Werkstatteinheit vorher eine attraktive Gruppenpr\u00e4mie ausgelobt. Die Summe verteilte die Gruppe selbst nach einem von ihr erarbeiteten Punktesystem. Ber\u00fccksichtigung fanden dabei die Schwere der Arbeit sowie die zeitliche Inanspruchnahme des einzelnen (Mehrarbeit, Samstags-\/Sonntags-\/Feiertagseins\u00e4tze etc.).<\/p>\n<p>Will man der Idee des Mitarbeiters als &#8220;Unternehmer im Unternehmen&#8221; Vorschub leisten, so ist eine j\u00e4hrliche Erfolgsbeteiligung in Abh\u00e4ngigkeit vom Gesch\u00e4ftsergebnis konsequent. Dies geschieht am besten in Form von Anteilsscheinen, um das Geld im Unternehmen zu lassen und die Bindung des Mitarbeiters an &#8220;sein&#8221; Unternehmen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>5. Das Mitarbeiter-\/Teamgespr\u00e4ch<\/p>\n<p>Ein vorbereitetes und mit Bedacht gef\u00fchrtes Gespr\u00e4ch vermag jedes System mit Kriterien, Gewichten, Faktoren, Punkten und Werten vollst\u00e4ndig zu ersetzen. Das &#8220;Korsett&#8221; engt nur ein. Das Gespr\u00e4ch erzeugt keine Konflikte, sondern l\u00f6st sie. Gemeinsam (am besten mit allen Beteiligten) lassen sich Erfolge feiern, Hindernisse beseitigen, neue Ziele formulie- ren. Je m\u00fcndiger (im wahrsten Wortsinn) die Beteiligten sind, desto elbstverst\u00e4ndlicher wird das spontane, offene Gespr\u00e4ch. Als besonders erfolgreich auf diesem Weg haben sich regelm\u00e4\u00dfige Workshops erwiesen, die anfangs durch einen Neutralen, sp\u00e4ter durch den Team-Chef\/ Gruppensprecher moderiert werden. Bei der L\u00f6sung der auftretenden Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich haben die meisten Chefs ihre Schwierigkeiten. Am liebsten w\u00e4ren sie daf\u00fcr nicht zust\u00e4ndig. Geschult wurden sie n\u00e4mlich nur f\u00fcr die Sachebene auf ihrem Sachgebiet kennen sie sich perfekt aus. \u00dcbersehen wird aber, da\u00df doch die meisten (!) Sachprobleme auf versteckt dahinter lauernde emotionale, pers\u00f6nliche Differenzen zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Das 4- Augen-Gespr\u00e4ch<\/p>\n<p>Einmal j\u00e4hrlich ist das Gespr\u00e4ch \u00fcber die pers\u00f6nliche Arbeitszufriedenheit bei jedem Mitarbeiter f\u00e4llig. Und warum nicht an dessen Geburtstag? (so praktiziert es Siemens-Personalkollege Bernhard O. Tauscher, M\u00fcnchen). Fragen stellen, zuh\u00f6ren und Stellung beziehen: Was gef\u00e4llt Ihnen, was nicht, was \u00e4rgert Sie? Was m\u00f6chten Sie ge\u00e4ndert sehen? Welche Aufgaben w\u00fcrden Sie lieber abgeben (wohin?) und welche \u00fcbernehmen (von wem)? Empfinden Sie Ihr Gehalt angemessen? Wohin m\u00f6chten Sie sich entwickeln? Welche Ihrer Begabungen werden firmenseits nicht genutzt? Wo f\u00fchlen Sie sich \u00fcberfordert? Welche Fortbildung w\u00fcrde Sie interessieren? Welche ben\u00f6tigen Sie dringend? Was erwarten Sie von mir?<\/p>\n<p>Wichtigste Botschaft ist die An-Erkennung im Sinne von Akzeptieren des Mitarbeiters als Teil des Teams &#8211; m\u00f6gen seine derzeitigen Beitr\u00e4ge noch so bescheiden sein. Das wird sich n\u00e4mlich \u00e4ndern! Erkennen Sie jeden positiven Leistungsbeitrag Ihres Mitarbeiters dankbar an, und sie werden ihn wachsen sehen. Geld &#8211; in welcher Form auch immer &#8211; ist lediglich Ausdruck der Anerkennung und vermag diese keinesfalls zu ersetzen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberall, wo Menschen zusammen sind, wird be-, ge- und verurteilt. Urteilen (und damit irren) ist menschlich. Es wird verglichen zwischen Vorg\u00e4nger und Nachfolger, bei Austritten und Versetzungen. 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