{"id":542,"date":"2009-01-20T14:35:00","date_gmt":"2009-01-20T13:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eisner-elearning.at\/blog\/2009\/08\/20\/das-magazin-warum-ich-nicht-mehr-lehrer-bin\/"},"modified":"2009-01-20T14:35:00","modified_gmt":"2009-01-20T13:35:00","slug":"das-magazin-warum-ich-nicht-mehr-lehrer-bin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/bmoblog\/?p=542","title":{"rendered":"Nicht mehr Lehrer"},"content":{"rendered":"<p>Zitat:<a href=\"http:\/\/dasmagazin.ch\/index.php\/warum-ich-nicht-mehr-lehrer-bin\/\"> Das Magazin \u00bb Warum ich nicht mehr Lehrer bin<\/a><\/p>\n<p><strong>Warum ich nicht mehr Lehrer bin<\/strong><\/p>\n<p>Ein Berufsstand verzweifelt an tausend Anspr\u00fcchen.<\/p>\n<p>03.10.2008 von <a href=\"http:\/\/dasmagazin.ch\/index.php\/author\/martin-beglinger\/\">Martin Beglinger<\/a> , <a href=\"http:\/\/dasmagazin.ch\/index.php\/warum-ich-nicht-mehr-lehrer-bin\/#commentList\">85 Kommentare<\/a><\/p>\n<p>Die Schweiz streitet \u00fcber HarmoS. Doch jede Diskussion \u00fcber Schule endet fr\u00fcher oder sp\u00e4ter mit der Feststellung, dass die besten Strukturen nichts n\u00fctzen, wenn die falschen Leute vor einer Schulklasse stehen. Nur: Welche sind die richtigen? Es gibt rund 90 000 Lehrkr\u00e4fte im Land, und sie kriegen jeden Tag tausend Ratschl\u00e4ge, wie sie es besser machen sollten. Doch wie erleben sie ihre Arbeit selber? An dieser Stelle soll nur ein einziger Lehrer zu Wort kommen: ein 35-j\u00e4hriger Sekundarlehrer, den wir hier Bernhard Lorenz nennen. Der Mann will anonym bleiben. Aber umso offener redet er dar\u00fcber, warum er seinen Beruf, den er im Grunde so liebt, nach sechs Jahren aufgegeben hat. Und warum so viele seiner Kolleginnen und Kollegen frustriert in der Schule zur\u00fcckbleiben.<\/p>\n<p>\u00abSchon als Drittkl\u00e4ssler wollte ich Lehrer werden. Lehrer oder Hotelier. Auf jeden Fall sollte mein Beruf mit Menschen zu tun haben, denn der Umgang mit anderen Leuten hat mich stets fasziniert. Ich fand es immer eine grossartige Aufgabe, eine Klasse frisch zu \u00fcbernehmen. F\u00fcr mich war nie entscheidend, dass die Sch\u00fcler am Ende der dritten Sekundarklasse perfekt Englisch sprachen. Das kann man auch in der Migros-Klubschule lernen. Wichtig war f\u00fcr mich, aus diesen Jugendlichen junge Menschen zu formen, die man mit gutem Gewissen ins Leben hinausschicken kann, die einen guten Umgang und einen soliden Realit\u00e4tsbezug haben. Ich halte das f\u00fcr eine sehr ehrenvolle Aufgabe, und darauf war ich, ja, stolz.<br \/>\nWarum ich trotzdem nicht mehr Lehrer sein will? Das hat mich meine Frau auch gefragt, als ich ihr vor einem Jahr zum ersten Mal sagte: \u2039Du, ich kann nicht mehr schlafen. Die Anspr\u00fcche von allen Seiten erdr\u00fccken mich. Mein Beruf macht mich kaputt.\u203a All die Spr\u00fcche \u00fcber die Lehrer, diese \u2039Berufsjammerer in der gesch\u00fctzten Werkstatt\u203a, die \u2039Ferientechniker mit ihren dreizehn freien Wochen pro Jahr\u203a: Ich kann sie nicht mehr h\u00f6ren. Gerne h\u00e4tte ich mit den Leuten, die noch immer so reden, mal den Arbeitsplatz getauscht, B\u00fcro gegen Klassenzimmer, nur eine Woche lang. Genauso hohl klingen f\u00fcr mich die wohlfeilen S\u00e4tze der Politiker, die jetzt pl\u00f6tzlich alle die Bedeutung unseres Berufsstandes preisen \u2013 bis zur n\u00e4chsten Finanzdebatte, in der sie zum Beispiel wieder mal tiefere Sch\u00fclerzahlen ablehnen. Sie alle, die in der \u00d6ffentlichkeit das grosse Wort f\u00fchren, sollten sich mal in die Rolle eines Lehrers versetzen, wenigstens in Gedanken vor eine Klasse mit 25 Jugendlichen hinstehen. Und wem diese Vorstellung schwerf\u00e4llt, der soll sich doch einfach an die letzte Diskussion mit der eigenen Tochter oder dem Sohn erinnern \u2013 und dann mit 25 multiplizieren.<br \/>\nVielleicht begreift mich tats\u00e4chlich nur, wer selber mal unterrichtet hat. Es z\u00e4hlt zu meinen frustrierendsten Erfahrungen, wie ahnungslos die meisten Leute sind, was unseren wahren Berufsalltag betrifft. Ich habe das Schulzimmer immer als B\u00fchne empfunden. Jeden Tag einen Auftritt vor Publikum. Aber nicht zwei Stunden lang wie ein Schauspieler, sondern sechs oder sieben; nicht einen Tag lang, sondern f\u00fcnf und Woche f\u00fcr Woche. Der Sekundarlehrer steht unter Dauerbeobachtung von 25 Jugendlichen, und diesen entgeht nichts, absolut nichts. Doch das ist nur die Hauptb\u00fchne. Hinter den Sch\u00fclern stehen die Eltern, nebenan die k\u00fcnftigen Lehrmeister, rundherum die Schulbeh\u00f6rden \u2013 und zwischen allen eingeklemmt: der Lehrer. Ich muss Vorbild sein! Immer gerecht! Darf nie launisch sein! Nie parteiisch! Nur liebevoll! Nie krank. Private Probleme darf ich mir ohnehin nicht leisten, weil ich dann erst recht kein guter P\u00e4dagoge mit einem kreativen, inspirierenden Unterricht sein kann. Im B\u00fcro kannst du mal einen Durchh\u00e4nger haben, dich hinter dem Computer verstecken. Im Schulzimmer kannst du das vergessen. Da braucht es Pr\u00e4senz, immer, \u00fcberall. 25 Augenpaare sind auf mich gerichtet, und sind sie es nicht, bin ich erst recht gefordert, denn Klassen laufen schnell aus dem Ruder. Die testen t\u00e4glich meine Grenzen, wollen wissen, was es braucht, dass der da vorne ausflippt.<\/p>\n<p><strong>Du hast ja so recht\u2026<\/strong><br \/>\nIm letzten Juli, am Ende des abgelaufenen Schuljahres, bin ich nun also von dieser B\u00fchne abgetreten. Es gab Blumen, S\u00fcsses \u2013 und viel aufrichtiges Bedauern. Ich glaube wirklich nicht, dass jemand froh \u00fcber meinen Abgang war. Ich erhielt Abschiedsbriefe, die mir Tr\u00e4nen in die Augen trieben. Nie h\u00e4tte ich das von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern erwartet, f\u00fcr die ich vor Kurzem noch der m\u00fchsame, fordernde Disziplinierer war. Drei Monate sp\u00e4ter schrieb mir eine Sch\u00fclerin: \u2039Lieber Herr Lorenz*, k\u00f6nnten Sie nicht bitte einfach zur\u00fcckkommen und wieder Schule geben?\u203a Anscheinend habe ich doch nicht alles falsch gemacht. Ich gebe zu, im Grunde w\u00e4re ich viel lieber Lehrer geblieben. Ich vermisse viele dieser Jugendlichen, sogar sehr. Nicht aber den Rest rundherum. Auch HarmoS w\u00fcrde daran nichts \u00e4ndern. HarmoS ist okay, aber gewiss nicht das Allheilmittel f\u00fcr unsere Probleme. Die Misere liegt viel tiefer.<br \/>\nDie Reaktionen aus dem Lehrerkollegium auf meine K\u00fcndigung klangen alle \u00e4hnlich: \u2039Du hast ja so recht.\u203a \u2013 \u2039Ich bewundere dich.\u203a \u2013 \u2039Auch ich ginge sofort, wenn ich nur k\u00f6nnte.\u203a \u2013 \u2039Mir fehlt der Mut zu diesem Schritt.\u203a \u2013 \u2039Ich kanns mir finanziell leider nicht leisten, denn wir haben gerade ein Haus gekauft.\u203a<br \/>\nEine Kollegin schrieb: \u2039Schade, dass ausgerechnet Lehrer wie du vom Beruf verheizt werden. Ich kann leider nichts anderes als unterrichten. Der gl\u00fccklichste aller F\u00e4lle w\u00e4re eine Fr\u00fchpensionierung mit Sozialplan, aber das ist zu sch\u00f6n, um wahr zu sein.\u203a<br \/>\nMein Start in dieses Metier war gut. Nach der Matura ging ich Anfang der Neunzigerjahre an die P\u00e4dagogische Hochschule (PH), sieben Semester plus obligatorisches Praktikum; eine sehr strenge Ausbildung, weil ich die ganze Phil.-I.-F\u00e4cherpalette belegen musste: Deutsch, Franz\u00f6sisch, Englisch, Geschichte, Geografie, Sport, Zeichnen. Aber es war eine pers\u00f6nliche Atmosph\u00e4re und kein Vergleich zum akademisierten Massenbetrieb, \u00fcber den ich die heutigen PH-Studenten klagen h\u00f6re. Am Schluss meiner Ausbildung zum Sekundarlehrer f\u00fchlte ich mich einigermassen gut vorbereitet auf diesen Beruf. So \u00fcbernahm ich eine auf ein Jahr befristete Stelle. Sie gefiel mir, weil ich sofort sp\u00fcrte: Ich kanns mit jungen Menschen. Und das ist wichtiger als alles andere. Ob die Chemie stimmt, ob einen die Klasse akzeptiert oder nicht, das sp\u00fcrt man schon in der ersten Stunde. Trotzdem suchte ich vorderhand keine regul\u00e4re Stelle, weil ich jung und neugierig war und erst noch eine Art Lebensschule in der weiten Welt machen wollte, bevor ich mich definitiv als Lehrer installierte. Deshalb unternahm ich einen mehrj\u00e4hrigen Abstecher in die Gastronomie im In- und Ausland. Sekundarlehrer mit Erfahrung in der Privatwirtschaft sind schliesslich sehr gefragt.<br \/>\nEs war eine faszinierende Erfahrung, weshalb ich auch l\u00e4nger blieb als geplant. Doch ebenso sehr freute ich mich auf die R\u00fcckkehr in meinen erlernten Beruf. Ich war zuversichtlich, hatte allerdings auch Respekt, denn ich bin kein Mensch, der rasch mit sich zufrieden ist. Eher frage ich: Was k\u00f6nnte ich noch besser machen? Etwas gar schnell entschied ich mich dann f\u00fcr eine Stelle als Klassenlehrer an einer Sekundarschule auf dem Land. 300 Sch\u00fcler, typischer Betonbau aus den Achtzigerjahren. Was mir als Erstes auffiel: der endlose Papierkrieg und die unz\u00e4hligen Sitzungen. F\u00fcr alles muss man ein Formular ausf\u00fcllen: Umstufungen, Absenzen, Elterngespr\u00e4che, Statistiken, Teilnehmerlisten und, und, und. Dann die w\u00f6chentlichen Teamsitzungen, Projektsitzungen, Evaluationen, Umstufungssitzungen, Weiterbildungen, Leitbildanpassungen. Und es gab tausend neue Themen: Umgang mit Abfall und Schulden. Handy-Regeln. Suchtpr\u00e4vention. Gewaltpr\u00e4vention. Zeitmanagement. Umgang mit Medien. Und ich dachte, ich sei hier als Lehrer f\u00fcr Sprachen, Geografie und Geschichte eingestellt worden.<\/p>\n<p><strong>Papierfluten und Aktionismus<\/strong><br \/>\nMit der Einf\u00fchrung von Schulleitungen, erz\u00e4hlte hier jeder im Lehrerzimmer, war die Papierflut erst richtig angeschwollen. Bald habe ich die Schulleitungen auch selber als System kennengelernt, dessen Aktionismus in erster Linie der Rechtfertigung der eigenen Existenz dient. Und zur Kontrolle der Lehrerschaft. Aber sicher nicht zu deren Entlastung. Sorry, aber in den Schulleitungen sitzen nach meiner Erfahrung vor allem Leute, denen das Unterrichten zu m\u00fchsam geworden ist. Die sind aus den Schulzimmern in die Chefb\u00fcros gefl\u00fcchtet. Es ist die einzige Karrierechance. Das ist angenehmer und erst noch eintr\u00e4glicher als die Arbeit als Klassenlehrer.<br \/>\nW\u00e4hrend meines Abstechers in die Gastronomie hatte ich immer wieder \u00fcber die zunehmenden Disziplinarprobleme an Schulen gelesen. Aber es war doch eine sehr neue Erfahrung, nach dem Unterricht auch noch Videob\u00e4nder visionieren zu m\u00fcssen, um Schulhaus-Vandalen zu identifizieren. Fast w\u00f6chentlich mussten wir die Polizei holen lassen, unter anderem weil eine Jugendgang den Sportplatz in Beschlag genommen hatte und ich keinen Turnunterricht mehr abhalten konnte. Das war das erste Mal, dass ich mich fragte: Was passiert, wenn ich diesen Jugendlichen zuf\u00e4llig mal am Abend und alleine begegne?<br \/>\nEin spezieller Stress war die Pausenaufsicht. Es gab dauernd Raufereien, hier eine versprayte Wand, da wieder mal einen kleinen Brand auf der Toilette, dort primitive Spr\u00fcche hinter meinem R\u00fccken. Hey, fick dich, Hurensohn! Ich hatte die Wahl: hinschauen oder nicht. Doch ich bin nun mal nicht der Typ, der wegschauen kann. Ich k\u00e4me mir feige vor, w\u00fcrde auch meiner Verantwortung als Lehrer nicht gerecht. Schaue ich aber hin, bin ich sofort in der Rolle des Polizisten. Auf dem Pausenplatz musste ich mich zwischen pr\u00fcgelnde Sch\u00fcler stellen, und als ich sie nach dem Namen ihres Klassenlehrers fragte, lachten sie mich aus, ignorierten mich, liefen einfach weg \u2013 und ich rannte ihnen hinterher, eine unm\u00f6gliche Situation. Doch h\u00e4tte ich tun sollen, als ginge mich alles nichts an, nur weil es nicht meine eigenen Sch\u00fcler waren?<br \/>\nMit meiner Klasse hatte ich relativ wenig disziplinarische Probleme. Nat\u00fcrlich hatte ich als Klassenlehrer die Noten als Druckmittel. Fachlehrer, die vielleicht nur Englisch oder Turnen unterrichten, sind hier am k\u00fcrzeren Hebel. Doch Notendruck allein bringt so wenig wie vor die Klasse hinzustehen und \u2039Ruhe!\u203a zu br\u00fcllen. So wirst du zur Lachnummer. Disziplin, Ordnung und P\u00fcnktlichkeit waren mir zwar immer wichtig, aber ohne gute Beziehung zu den Sch\u00fclern schafft man das nicht. Man muss mit jedem Jugendlichen einzeln reden, pers\u00f6nliche Abmachungen mit ihm treffen. In der Klasse habe ich stets eine klare Linie vorgegeben, versuchte einigermassen streng oder zumindest konsequent zu sein, auch wenn ich von meinem Naturell her den Kompromiss suche. Damit bin ich gut gefahren. Ich versuchte mich immer an die eigene Schulzeit zu erinnern und fragte mich, was ich als 15-J\u00e4hriger von meinen Lehrern erwartete. Sobald die Jugendlichen sp\u00fcren, dass man sie wirklich ernst nimmt, dass man sie fair und nicht wie kleine Kinder behandelt, dann klappt es nach meiner Erfahrung viel besser. Doch man muss auch mal unpopul\u00e4r sein k\u00f6nnen, muss es aushalten, bei den Sch\u00fclern als der letzte Tubel zu gelten.<br \/>\nEiner meiner Kollegen war Roman*. Ein Junglehrer. Er litt wie ein Hund. Roman hatte zwar einen Uni-Abschluss, aber keine Sekundarlehrerausbildung. Die Sch\u00fcler haben ihn fertiggemacht, und Roland betete nur noch jeden Tag, dass das Schuljahr bald vor\u00fcber war. Er stellte zwar jede Stunde einen oder zwei Sch\u00fcler vor die T\u00fcre, doch gen\u00fctzt hat es nichts. Roman wollte zu sehr Freund der Jugendlichen sein, aber das funktioniert nicht, denn in der Pubert\u00e4t wollen die Sch\u00fcler ja gerade anders sein als ihre Lehrer. Eine weitere Junglehrerin kam bereits nach den ersten Wochen vollkommen aufgel\u00f6st zu mir, weil sie bei Sch\u00fclern und Eltern aufgelaufen war. Sie hatte zwar tolle Abschlusspapiere von der P\u00e4dagogischen Hochschule und ein super Fachwissen. Aber wie man ein Elterngespr\u00e4ch f\u00fchrt und in diesem Beruf \u00fcberlebt, das hatte man ihr nicht beigebracht. Es klafft ein riesiger Graben zwischen den Theoretikern an den Hochschulen und der Praxis in den Klassen. Nach einem halben Jahr hat die Kollegin gek\u00fcndigt, demontiert von 13-j\u00e4hrigen Sekundarsch\u00fclern und ihren Eltern. Es tat mir von Herzen leid, dass niemand sie vor dieser Berufswahl bewahrt hatte.<br \/>\nEs war nicht der Vandalismus, der mich nach zwei Jahren zur K\u00fcndigung an dieser Schule bewog. Es war auch nicht der hohe Ausl\u00e4nderanteil von 40 Prozent, was jeden Unterricht doppelt schwierig macht, weil der Lehrer auch Erzieher sein muss. Was mich zerm\u00fcrbt hat, war das Schulmodell an dieser Oberstufe. Jeder einzelne Sch\u00fcler wurde je nach Leistungsf\u00e4higkeit in einem Fach weiter oben und in einem anderen Fach weiter unten eingeteilt. Man wollte damit jedem Kind individuell gerecht werden, man wollte flexibel sein, die Stufen durchl\u00e4ssig machen. Klingt alles gut \u2013 theoretisch. In der Praxis war es eine Katastrophe. Alle vier Monate wurde umgestuft. Drei Kinder in Mathematik ein Niveau rauf, f\u00fcnf in Franz\u00f6sisch runter, sechs rauf, vier in Deutsch rauf und vier runter \u2013 ein ewiges Hin und Her, jedes Mal gab es Sitzungen, Papiere, Elterngespr\u00e4che, Rekursdrohungen, wieder Sitzungen, und dies alles nebst der normalen Schularbeit. Vor allem aber brachte dieses Modell eine enorme Unruhe in die Klassen, weil sich erstens die Zusammensetzung dreimal pro Jahr \u00e4nderte und zweitens die Sch\u00fcler immer wieder andere Lehrpersonen hatten. Dabei fehlt diesen Jugendlichen nichts mehr als stabile Strukturen, verl\u00e4ssliche Beziehungen, Konstanz. Ohne gute emotionale Beziehung kann ich eine Klasse gar nicht f\u00fchren, doch genau dies wurde mit jenem total leistungsfixierten Modell verunm\u00f6glicht, weil sich viel zu viele Fachlehrer mit den Sch\u00fclern abm\u00fchten. Auch das Lehrerkollegium hielt dieses Modell, das irgendwelche Theoretiker ausgeheckt hatten, zwar von Anfang an f\u00fcr v\u00f6llig ungeeignet. Trotzdem war es von den Schulbeh\u00f6rden \u00fcber ihre K\u00f6pfe hinweg eingef\u00fchrt worden wie schon so vieles anderes auch.<br \/>\nNach dieser sehr ern\u00fcchternden Erfahrung suchte ich nach einer klaren Alternative. So wechselte ich den Kanton und ebenso das Schulmodell. Und ich wollte es an einer privaten Schule versuchen. Es ist keine Eliteschule, die sich nur Superreiche leisten k\u00f6nnen, das h\u00e4tte meiner \u00dcberzeugung widersprochen. Und doch wird diese private Sekundarschule von Anfragen \u00fcberflutet. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich hiess dieser Wechsel unter anderem 10 Prozent weniger Lohn bei gr\u00f6sserer zeitlicher Belastung, aber das nahm ich in Kauf, denn ich hatte es so satt, dauernd den Polizisten spielen zu m\u00fcssen. Ich wollte wieder Lehrer sein! Den Jugendlichen etwas beibringen! Und nat\u00fcrlich hoffte ich, dass dies in dieser neuen Umgebung wieder besser m\u00f6glich sei, weil an privaten Sekundarschulen kaum Kinder aus bildungsfernen Migrantenfamilien anzutreffen sind.<\/p>\n<p><strong>Die Eltern im Genick<\/strong><br \/>\nTats\u00e4chlich war das Klima deutlich besser. Es war vorbei mit der Hey-Mann-fick-dich-Stimmung auf dem Pausenplatz. Doch ich erlebte \u2013 zuf\u00e4llig \u2013 auch am neuen Arbeitsort, wie Sch\u00fcler stockbesoffen andere Zugpassagiere anrempelten. Oder eine Red-Bull-B\u00fcchse in ein Schaufenster schmissen. Ich war fassungslos. Und wieder die Frage: Wegschauen, bloss weil es kein Sch\u00fcler aus meiner Klasse war? Ich konnte es so wenig wie am fr\u00fcheren Ort \u2013 und handelte mir in erster Linie \u00c4rger ein, zun\u00e4chst mit den Sch\u00fclern, dann mit den Eltern.<br \/>\nOhnehin war dies der gr\u00f6sste Unterschied zwischen \u00f6ffentlicher und privater Schule: die Eltern. An der \u00f6ffentlichen Sek waren ihre Anspr\u00fcche vergleichsweise bescheiden. Dort lag das Problem eher am fehlenden Interesse der Eltern, aber auch an kulturellen Verst\u00e4ndigungsbarrieren. Im Unterschied zur Privatschule hatte ich dort keine M\u00fctter, die mir \u00dcbersetzungsfehler in Franz\u00f6sisch vorhielten. F\u00fcr mich sind all die Elternkontakte ein zentraler Grund, warum dieser Beruf ein derartiger Verschleissjob ist. In neun von zehn Kontakten ging es um Leistungsprobleme und Umstufungen, und ich war dauernd der \u00dcberbringer von Stressbotschaften f\u00fcr die Eltern. Elternabende? Ein Horror. Schon eine Woche im Voraus schlief ich jeweils schlecht. Man wird von den Blicken durchl\u00f6chert. Ich stehe vor Eltern, die mir ihr Projekt Kind anvertrauen, das sie so sorgsam geplant haben und das sp\u00e4ter erfolgreich werden muss. Aus diesem Kind muss ich jetzt etwas ganz Besonderes machen, muss seine Erziehung steuern, muss ihm Wissen vermitteln, muss es ins Gymnasium bringen, bin irgendwie f\u00fcr seine Zukunft verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>Es geht um die Wurst<\/strong><br \/>\nAn privaten Sekundarschulen sitzen nicht die Kinder von Schichtarbeitern, sondern von Juristen, \u00c4rzten, Bankern, Informatikern. Da bist du rasch der Angeklagte, wenn die mal loslegen. \u2039Herr Lorenz, wie k\u00f6nnen Sie diese Noten belegen?\u203a \u2013 \u2039Es gibt aber modernere Lehrmittel als Ihres.\u203a \u2013 \u2039Warum steht im Zeugnis beim Sozialverhalten das Kreuz nicht bei \u201agut\u2019, sondern nur bei \u201azufriedenstellend\u2019?\u203a Weil viele Lehrer genau diese Fragen f\u00fcrchten, machen sie ihr Kreuz lieber blind bei \u2039gut\u203a. Nur ja keinen Rekurs riskieren, es g\u00e4be nur noch mehr \u00c4rger, mehr Sitzungen, mehr zeitliche Belastung.<br \/>\nSp\u00e4testens ab der zweiten Sekundarklasse gehts um die Wurst. Dann werden die Eltern mit der Antwort konfrontiert, ob sich ihr Projekt Kind nun erf\u00fcllt oder nicht. Wird aus dem Sohn nun ein Arzt? Reicht es der Tochter f\u00fcr ein Jusstudium? Endet alles freudig, h\u00f6re ich meistens nichts. Endet es aber mit einer brutalen Entt\u00e4uschung, kommen sehr schnell die Fragen: Wer ist denn nun schuld, wenn der Sohn nur eine Vier in Mathematik hat, f\u00fcr die Lehrstelle auf der Grossbank aber mindestens eine F\u00fcnf ben\u00f6tigen w\u00fcrde? Wer ist verantwortlich, dass mit diesem mageren Zeugnis nichts wird aus dem sehnlichen Berufswunsch Kinderg\u00e4rtnerin? Da heisst es rasch: \u2039Sie benoten viel zu streng, Herr Lorenz!\u203a \u2013 \u2039Sie k\u00f6nnen das nicht richtig erkl\u00e4ren!\u203a \u2013 \u2039Das Problem liegt bei Ihrem Unterricht, nicht bei unserem Sohn!\u203a Ich h\u00f6rte einen Vater sagen: \u2039F\u00fcr diesen Dreieinhalber im Deutsch h\u00e4tten wir nicht 15 000 Franken Schulgeld zu zahlen brauchen. Da h\u00e4tten wir unseren Sohn gleich in der \u00f6ffentlichen Schule lassen k\u00f6nnen.\u203a Diese Eltern glauben, sie h\u00e4tten ein Anrecht auf gute Noten wie auf ein gutes Essen im Restaurant.<br \/>\nIn unserer Leistungsgesellschaft braucht man f\u00fcr alles und jedes ein Titelchen und einen Bachelor, und da stehen die Sekundarschulen am Eingangstor und verteilen die Billette in die Zukunft. Alle schreien nach Leistung, Leistung, Leistung! Gymi, Gymi, Gymi! Oder wenigstens Sek. Aber um Gottes willen nicht Realschule! Wohl gut die H\u00e4lfte meiner Sch\u00fcler hatte zus\u00e4tzlich private Nachhilfe, meistens gleich in mehreren F\u00e4chern, ebenso Pr\u00fcfungsvorbereitungen und in den Ferien am besten gleich noch einen Sprachkurs, um die Englischnote ein bisschen zu verbessern. Doch es ist nun mal nicht jedes Kind von seinem Potenzial her ein Gymisch\u00fcler. Es braucht doch auch gute Handwerker und gute Pflegerinnen.<br \/>\nIn Tat und Wahrheit haben sich die Leistungen der Sch\u00fcler in den vergangenen Jahren verschlechtert. Die langj\u00e4hrigen Sekundarlehrer erz\u00e4hlten mir immer wieder, dass die Leistungskurve an der Sekundarschule nach ihrer Erfahrung abgenommen hat. Die Folge davon habe ich selber erlebt: Immer \u00f6fter musste ich das Niveau nach unten verschieben, damit bei den Pr\u00fcfungen im Schnitt \u00fcberhaupt noch gen\u00fcgende Noten resultierten. Sind die Noten schlecht, hat man sofort die Eltern am Telefon. Auf der anderen Seite reklamieren die Gymnasiallehrer und Lehrmeister, die finden, man k\u00f6nne den Zeugnisnoten nicht mehr trauen. Und einmal mehr im Sandwich: der Sekundarlehrer, ganz besonders jener an der privaten Sek. Dort dr\u00fcckt man sehr viel \u00f6fter als an der \u00f6ffentlichen Schule ein Auge zu, wenn man aufgrund der Noten aus der Sekundarschule (Sek A) in die Realschule (Sek B) abstufen m\u00fcsste. Denn die Eltern sind zahlende Kunden und steigen auf die Barrikaden, weil die Abstufung ihres Kindes heisst, dass viele gute Lehrstellen nicht mehr infrage kommen.<br \/>\nKlar sagte ich jeweils im Lehrerzimmer: Wenn die Sch\u00fcler ihre Hausaufgaben nie machen, dann sind sie halt selber schuld, wenn sie keine Lehrstelle finden. Und doch packte mich immer der Ehrgeiz. Jeder Lehrer freut sich, wenn es am Schuljahresende heisst, der Lorenz brachte f\u00fcnf Sch\u00fcler ins Gymi, und alle andern haben eine Lehrstelle bekommen. Was \u00fcbrigens der Fall war. Ich habe mich wirklich sehr ins Zeug gelegt, von der Hilfe bei der Lehrstellensuche bis zum Beibringen von Benimmregeln (\u2039Beim Gr\u00fcssen in die Augen schauen\u203a). F\u00fcr mich w\u00e4re das zwar Sache der Eltern, doch die haben das oft genug einfach an die Schule delegiert, weil es ihnen zu anstrengend war.<br \/>\nGewiss sind l\u00e4ngst nicht alle Eltern m\u00fchsam. Es gibt auch jene, die sich auf eine gute Art f\u00fcr ihre Kinder einsetzen, die echtes Interesse an der Schule zeigen und das offene Gespr\u00e4ch mit den Lehrern suchen. Die melden sich auch mal, wenns gut l\u00e4uft. Es waren grosse Gl\u00fccksmomente, wenn mir eine Mutter sagte: \u2039Ach, Sie wissen ja gar nicht, wie unglaublich gerne unsere Tochter zu Ihnen in die Schule geht.\u203a<br \/>\nDoch dann gibt es die \u00fcberforderten Eltern, wom\u00f6glich beide voll mit ihrer Berufskarriere besch\u00e4ftigt. Am Abend kommen sie m\u00fcde und ausgepumpt aus dem B\u00fcro nach Hause. Oder an meiner fr\u00fcheren \u00f6ffentlichen Schule von der Schichtarbeit. Zeit f\u00fcr ihre Kinder haben sie nicht, die Erziehung haben sie aufgegeben oder schlicht keine Lust dazu, denn Erziehen ist eine anstrengende und m\u00fchsame Sache. Die Eltern weichen den Konflikten mit ihren Kindern bewusst aus \u2013 im Glauben, die Schule werde diese Probleme dann irgendwie f\u00fcr sie l\u00f6sen.<br \/>\nAn Geld fehlte es meinen Sch\u00fclern an der Privatsek selten, gerade den schwierigen. Die hatten immer die teuersten Markenjeans, den neusten Laptop, Winterferien in St. Moritz. Und dann sitzt eines Tages die Mutter von Steven* vor mir, Juristin im Deuxpi\u00e8ces, geschieden, alleinerziehend und weinend vor Entt\u00e4uschung, weil ihr Sohn seine Banknachbarin mit Porno-SMS bel\u00e4stigt und mit seinem aggressiven Gehabe das ganze Klassengef\u00fcge durcheinandergebracht hat. Oder der Sohn eines bekannten Industriemanagers, der Pr\u00fcfungen aus meinem Pult gestohlen hatte. Ich habs mir lange \u00fcberlegt, ob ich mich mit dieser Familie anlegen soll. Prompt rief mich der Vater an einem Sonntag zu Hause an und verh\u00f6rte mich zwei Stunden lang am Telefon. Zuvor hatte mich die Mutter unangemeldet mitten aus dem Unterricht geholt und zur Rede gestellt. Als Sohn einer Putzfrau h\u00e4tte man diesen Sch\u00fcler ohne Federlesens von der Schule verwiesen. Weil er aber der Sohn des Herrn Soundso war, wurde er nur in eine andere Klasse versetzt. Selten f\u00fchlte ich mich als Lehrer schlechter als nach diesem Vorfall. Der Sch\u00fcler, den ich an sich sehr mochte, wurde nun einfach der n\u00e4chsten Kollegin zugemutet. Mittlerweile ist er bereits an der n\u00e4chsten Privatschule.<\/p>\n<p><strong>Das schlechte Gewissen<\/strong><br \/>\nFr\u00fcher war die \u00fcbliche Reaktion der Eltern bei Konflikten zwischen Schule und Sch\u00fcler: Der Lehrer wird schon recht haben. Heute stellen sich die Eltern vor ihre Kinder. Und warum? Ich glaube: Weil sie ein schlechtes Gewissen haben. Sie haben zwar keine Zeit f\u00fcr die Kinder, doch im Konfliktfall nehmen sie sie demonstrativ in Schutz und signalisieren: Ich sorge f\u00fcr dich, du bist mein Ein und Alles.<br \/>\nIch bin sicher, die meisten Kolleginnen und Kollegen haben \u00e4hnliche Sorgen wie ich. Aber selten spricht jemand offen dar\u00fcber. Im Lehrerzimmer erst recht nicht. Zum einen hat niemand Zeit, zum andern exponiert sich halt, wer seine eigenen Schw\u00e4chen offenbart. Die andern k\u00f6nnten mir ja einen Strick daraus drehen. Deshalb tun manche noch immer lieber so, als h\u00e4tten sie alles im Griff. Nur in einer freiwilligen, hoch vertraulichen Supervisionsgruppe habe ich jeweils das Gegenteil erlebt. Da dr\u00e4ngte es pl\u00f6tzlich wie ein Sturzbach aus allen Teilnehmern heraus, und diese Erfahrung tat mir unheimlich gut. Ich war offensichtlich l\u00e4ngst nicht der Einzige, der nicht einschlafen konnte, weil er ein schwieriges Elterngespr\u00e4ch vor sich hatte.<br \/>\nAn der Privatschule habe ich mein Pensum auf 75 Prozent reduziert. Ich musste, die Arbeit h\u00e4tte mich sonst aufgefressen. Und ich habe jede Menge Kolleginnen und Kollegen gesehen, die das Gleiche gemacht haben, ob an privaten oder \u00f6ffentlichen Schulen. Aber eben nicht, wie die Bildungsdirektionen gerne behaupten, um Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Nein, die Pensenreduktion ist f\u00fcr viele schlicht eine \u00dcberlebensmassnahme, Burnout-Pr\u00e4vention auf eigene Kosten. Ich habe reihenweise Junglehrerinnen und -lehrer kennengelernt, die nach einem oder zwei Jahren entweder das Pensum k\u00fcrzten oder gleich ganz aufgaben. Doch was ist das f\u00fcr ein Beruf, in dem ein 100-Prozent-Pensum zur Zumutung geworden ist?<br \/>\nKein Wunder, dass der Lehrberuf schon lange kein \u2039Traumberuf\u203a mehr ist, wie auch meine Mutter immer sagte \u2013 bis sie mal einen Nachmittag lang bei mir auf Schulbesuch war. Real- oder Oberschullehrer will erst recht niemand mehr werden, weil jeder PH-Student l\u00e4ngstens weiss, dass insbesondere in der Sek C f\u00fcnf von zwanzig Sch\u00fclern verhaltensauff\u00e4llig sind und 80 Prozent Ausl\u00e4nder. Da braucht es eher eine Ausbildung als Erzieher und Sozialarbeiter und weniger als Englisch- und Franz\u00f6sischlehrer. Die Zahl der schwierigen Sch\u00fcler pro Klasse steigt und steigt, weshalb es gerade f\u00fcr jene Sekundarlehrer immer schwieriger wird, die zwar fachlich gut sein m\u00f6gen, aber eben nicht p\u00e4dagogisch.<\/p>\n<p><strong>Wo bleibt die Wertsch\u00e4tzung?<\/strong><br \/>\nSchwer zu sagen, was anders werden m\u00fcsste in diesem Beruf. Es ist so vieles und doch vor allem eines: Man m\u00fcsste die Lehrerinnen und Lehrer endlich wieder ernst nehmen. Also nicht Reform um Reform von oben nach unten durchdr\u00fccken und damit die Kluft zwischen Bildungsb\u00fcrokratie und Schulalltag weiter vergr\u00f6ssern. Sondern auf die Praktiker h\u00f6ren, die \u2013 nur ein Beispiel \u2013 eindringlich vor der \u00fcberst\u00fcrzten Einf\u00fchrung von zwei Fremdsprachen an der Primarschule gewarnt haben. Das Resultat habe ich als Franz\u00f6sischlehrer gesehen: Man beginnt trotz Primarschulfranz\u00f6sisch wieder bei null.<br \/>\nUnser Berufsstand braucht nicht tausend neue Titelchen, \u00fcber deren Vergebung die aufgebl\u00e4hte Bildungsb\u00fcrokratie wacht, sondern wieder mehr Wertsch\u00e4tzung, gesellschaftlich und politisch. Die Parteien \u00fcberbieten sich zwar in ihren Programmen mit Aufmunterungsparolen f\u00fcr die Lehrerschaft, aber wir sind ihnen nicht mal den Teuerungsausgleich wert. \u00dcber die realen L\u00f6hne will ich gar nicht erst jammern, lieber rede ich von Relationen. Ist es denn richtig, dass ein 26-j\u00e4hriger Aktienh\u00e4ndler zumindest noch bis vor Kurzem viermal so viel verdient wie ein Lehrer, dem die Zukunft von jungen Menschen anvertraut wird? Ich weiss, es klingt krass, doch am Ende meiner Lehrerjahre f\u00fchlte ich mich wie ein Abfallk\u00fcbel dieser Gesellschaft. Alle deponieren ihre Probleme in der Schule, sie verlangen von den Lehrkr\u00e4ften dies und das und jenes sowieso, um sich selber dann m\u00f6glichst rasch und ungest\u00f6rt wieder dem eigenen Leben und vor allem der eigenen Karriere zuwenden zu k\u00f6nnen.<br \/>\nNach sechs Jahren Sekundarschule bin ich zur\u00fcck in der Privatwirtschaft \u2013 in einem Job, in dem ich nur noch halb so viel verdiene wie als Lehrer. Das kann ich mir nur leisten, weil auch meine Frau berufst\u00e4tig ist und wir keine Kinder haben. Heute habe ich wieder Luft, kann wieder gut schlafen, f\u00fchle mich wieder frei.<br \/>\nWar es wirklich zu viel verlangt, dass ich das auch als Lehrer wollte?<\/p>\n<p>* Namen ge\u00e4ndert<\/p>\n<p>Die auf den Fotos abgebildete Person ist ein Statist und nicht identisch mit dem im Text beschriebenen Lehrer. Auch das abgebildete Schulzimmer sowie das Schulhaus sind zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlt und haben nichts mit der realen Situation des Lehrers zu tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zitat: Das Magazin \u00bb Warum ich nicht mehr Lehrer bin Warum ich nicht mehr Lehrer bin Ein Berufsstand verzweifelt an tausend Anspr\u00fcchen. 03.10.2008 von Martin Beglinger , 85 Kommentare Die Schweiz streitet \u00fcber HarmoS. 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