{"id":760,"date":"2010-06-24T13:33:25","date_gmt":"2010-06-24T12:33:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eisner-elearning.at\/blog\/?p=760"},"modified":"2010-06-24T13:33:25","modified_gmt":"2010-06-24T12:33:25","slug":"funktion-rolle-und-position","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/bmoblog\/?p=760","title":{"rendered":"Funktion, Rolle und Position"},"content":{"rendered":"<p>Eine der meist gelesenen Seiten auf diem Blog ist die mit den Ausf\u00fchrungen zum Thema <a href='http:\/\/www.eisner-consulting.at\/bmoblog\/?p=366' title='Funktion versus Rolle'>Funktion und Rolle<\/a>. Da an dieser\u00a0 Stelle die Darlegungen zu diesem Thema eher knapp gehalten sind, soll das Konzept von Rolle, Funktion und Position hier noch einmal erg\u00e4nzend veranschaulicht werden. Dies wird zuerst mit einem Beispiel getan, das verdeutlichen soll, wie im Realen Kontext eine Differenzierung zumachen ist und wie sich Rolle, Funktion und Position unterscheiden lassen. Aus gegebenem Anlass wird ein Beispiel aus der Welt des Fu\u00dfballs herangezogen. Anschlie\u00dfend wird zusammenfassend aus theoretischer Sicht Bezug genommen und auf jeden Begriff (Funktion, Rolle, Position) speziell eingegangen.<\/p>\n<p><strong>Die Rolle im Kontext Fu\u00dfball<\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich wird beim Fu\u00dfballspiel durch entsprechende Absprachen jedem Spieler eine entsprechende <em>Funktion<\/em> zugeordnet. Nehmen wir als Beispiel einen Mittelfeldspieler (Funktion). Mit dieser Funktion sind Aufgaben verbunden wie Spielaufbau, ggf. Unterst\u00fctzung der Abwehr oder Mitwirkung im Sturm (Angriffsspiel). Um eine entsprechende Funktion \u00fcberantwortet zu bekommen, wird der Spieler in der Regel eine Reihe von entsprechenden spielerischen Kenntnissen, F\u00e4higkeiten und Kompetenzen vorweisen k\u00f6nnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In Bezug auf die <em>Position<\/em> kann in einem Mannschaftsspiel weitgehend von einer egalit\u00e4ren hierarchischen Strukturierung ausgegangen werden. Trotzdem k\u00f6nnen wir auch bei unserem Mittelfeldspieler eine Differenzierung in der Position finden. Der ist in unserem Beispiel zugleich auch der Mannschaftskapit\u00e4n und somit formal von seinen Mannschaftskameraden herausgehoben. Auch auf informeller Ebene kann dies geschehen, oft spielen dabei Torleute eine herausragende Rolle in Form von pers\u00f6nlicher Autorit\u00e4t.<\/p>\n<p>Betrachten wir nun den Mittelfeldspieler in seiner <em>Rolle<\/em> im Beziehungsfeld seiner Fu\u00dfballmannschaft. Gem\u00e4\u00df dem unten beschriebenen Konzept von Rolle sind f\u00fcr diesen Mittelfeldspieler drei Rollenformen relevant, mit denen er sein Handeln und Verhalten als Mannschaftskollege realisiert. Seine psychische und mentale Disposition, mit beeinflusst durch das soziale Umfeld, wird eine spezifische psychische Konfiguration im Sinne einer psyocho-logischen (-dramatischen) Rolle einnehmen. Dies kann eine sehr zielorientierte k\u00e4mpferische Disposition sein oder in einem Gegenpol beschrieben eine defensive und umsichtig orientierte Haltung. Somatisch gesehen ist dieser Mittelfeldspieler ein Laufender, Stehender, Atmender oder auch Leidender usw. Seine soziale Rolle hingegen \u00e4u\u00dfert sich als kooperativer, erfolgsorientierter Ich-bezogener, aggressiver kampfbetonter usw. Spieler. Idealer Weise bilden diese drei Rollenformen ein kongruentes Profil. Ist dies der Fall, kann von einem gut integrierten Rollenerleben ausgegangen werden. Dies hei\u00dft aber nicht zwingend, dass damit auch schon eine Stimmigkeit in Bezug auf funktionale und Positions-bezogene Erwartungen hergestellt ist.<\/p>\n<p><strong>Die Funktion<\/strong><\/p>\n<p>In metatheoretischen Abhandlungen zum Thema interaktiver Ph\u00e4nomene und Rolle (Schrey\u00f6gg, 1992, S. 255-281; Wiswede, 1977, S. 100-107) wird Funktion nicht als explizites Konstrukt interaktiven Geschehens in sozialen R\u00e4umen beschrieben. Am ehesten wird dort Funktion erkennbar, wenn von normativen und institutionellen Rollencharakteristika die Rede ist. Eine explizite begriffliche Trennung unternimmt Thonhauser (2004), in dem er Funktion und Rolle als getrennte\u00a0 Elemente des semantischen Raums rollentheoretischer Begriffe anf\u00fchrt. Pechtl (1995, S. 202) versucht Funktion und Rolle mit einer definitorischen Differenzierung darzustellen. Dabei versteht Pechtl Funktion als \u201eeine erworbene, verliehene, vereinbarte oder festgelegte Rahmenbedingung in einer sozialen Gemeinschaft, die an beidseitig abgesprochene T\u00e4tigkeiten gebunden ist\u201c. F\u00fcr eine Unterscheidung zwischen Funktion und Rolle spricht, dass funktionale Erwartungen in einem sozial\/interaktiven Raum nicht an eine bestimmte Person im engeren Sinne gebunden sind. Eine Funktion kann von unterschiedlichen Personen wahrgenommen werden, wenn diese bereit und\/oder verpflichtet sind die damit gekoppelten Aufgaben auszuf\u00fchren (z.B. Sch\u00fcler, Lehrer, Schulpsychologe, Leitung, Vorstand, Buchalter, Maurer, \u2026). Als eine Variation sind dabei Funktionen anzusehen, die nicht gewechselt oder abgelegt werden k\u00f6nnen. Als solche sind z.B. die Funktion Vater, Mutter, Kind o.\u00e4. zu z\u00e4hlen. Diese Funktionen als Differenzierungselemente der prim\u00e4ren Sozialstrukturen bleiben \u00fcber die Lebensspanne bestehen, auch wenn sie mit dem Laufe der Zeit und je nach Situation im Rahmen unterschiedlicher Rollenmuster wahrgenommen werden.<\/p>\n<p><strong>Rolle<\/strong><\/p>\n<p>Geht man nach obiger Darstellung davon aus, dass sich Funktionen auf das \u201awas\u2019 beziehen so fokussiert eine Rolle auf die Art und Weise \u201awie\u2019 eine bestimmte Funktion ausgef\u00fcllt und gelebt wird. Die Rolle beschreibt den sozialen Vollzug des Individuums im sozialen Feld mit dessen Interaktionspartnern oder mit Dingen.<\/p>\n<p>Ausgehend vom Tr\u00e4ger der Rolle, hier der Mensch, ist anzunehmen, dass die gelebte Rolle durch psychische und somatische Einfl\u00fcsse sowie soziale Handlungen selbst bestimmt wird.<\/p>\n<p>In der psychodramatischen Rollentheorie wird dies in drei aktionalen Rollenformen repr\u00e4sentiert. Dort werden psychosomatische, psychodramatische und soziodramatische Rollen (Hochreiter, 2004, S. 137;\u00a0 Petzold &amp; Mathias, 1982, S. 210-215) unterschieden, welche zusammen das Rollenintegral bilden (Petzold &amp; Mathias, 1982, S. 211).<\/p>\n<p>Eine Rolle unterscheidet sich dahingehend, ob sie prim\u00e4r interaktionistisch betrachtet wird oder ob intrapsychische Aspekte in den Vordergrund r\u00fccken. Grunds\u00e4tzlich werden alle drei oben zitierten Rollenformen aktiviert sein, die Frage allerdings ist, in welcher Intensit\u00e4t, Balance und Kongruenz dies jeweils der Fall ist.<\/p>\n<p>Klassische soziale Rollen entstehen im interaktiven Geschehen zwischen Individuen und sind von wechselseitigen Erwartungen in Bezug auf Handlungen und Haltungen gekennzeichnet. Im theoretischen Konzept des symbolischen Interaktionismus (Mead, zit. n. Schrey\u00f6gg, 1992, 256ff) ist dies vergleichbar mit externen (vermuteten) Rollenzuschreibungen die das soziale Ich pr\u00e4gen und welches dort als \u201eme\u201c bezeichnet wird. Auf eine \u00e4hnliche Grundlage reflektiert auch die Definition von Rolle bei Pechtl (1995, S. 202) welche dieser als \u201eein eigenes oder durch Fremderwartung gew\u00e4hltes Verhaltensmuster, das abgesprochen oder unabgesprochen in der sozialen Gemeinschaft ausge\u00fcbt wird\u201c, beschreibt. Immer sind dabei sog. Zuschreibungsprozesse grundlegend (vgl. Schrey\u00f6gg, 1992, S. 267f).<\/p>\n<p>Wie schon angesprochen, st\u00fctzt sich die soziale Rollenform individuell gesehen auf psychische und somatische Muster mit spezifischen Typologien, die wiederum als Rollenerleben interpretiert werden k\u00f6nnen. Stark ausgepr\u00e4gte (intra-)psychische Rollen entstehen beispielsweise in einem Zustand starker Fokussiertheit beim Spiel in einem digital virtualisierten Raum (Computerspiel). Dabei wird ein bestimmtes psychisches Rollenmuster (oder mehrere), eingenommen. Dieses Rollengeschehen unterscheidet sich von Rollen im dreidimensionalen sozialen Erlebensraum durch die Qualit\u00e4t des Feedbacks und den meist ausgepr\u00e4gten trance\u00e4hnlichen Zustand der virtuell interagierenden Person.<\/p>\n<p>In der Rollentheorie des Psychodramas werden die psychodramatischen Rollenformen im Wesentlichen in zwei Kategorien aufgeteilt (vgl. Hochreiter, 2004, S. 137;\u00a0 Peetzhold &amp; Mathias, 1982, S. 212). Einmal die Rollen der reinen Phantasiewelt wie z.B. M\u00e4rchengestalten, Geister, Feen, etc.) und dann Rollen die imaginiert, quasi kognitiv repr\u00e4sentativ realisiert werden (z.B. der Lehrer, ein(e) Spielgef\u00e4hrtIn, Vater, Mutter, etc.). Die Wurzel f\u00fcr die psychischen Rollenformen kann in dem was Mead (zit. n. Schrey\u00f6gg, 1992, S. 261) als \u201eI\u201c versteht gesehen werden. In diesem \u201eI\u201c fokussieren sich psychische und psychologisierte somatische Bed\u00fcrfnisse als Vitalkraft.<\/p>\n<p>Somit bleibt noch ein kurzer Blick auf die somatischen Rollen. Sie bilden quasi die Verhaltenskontur des Organismus und sind als Kontaktgrenze zwischen psychischen und sozialen Rollenformen im Sinne eines eigenen geschlossenen Systems zu verstehen. Als solches wiederum organisiert es Austauschprozesse mit den beiden anderen Rollenformen. Zur Verdeutlichung somatischer Rollen kann exemplarisch genannt werden: Der\/die Sitzende, dr\/die Blickende, der\/die Essende, der\/die Schlafende, der\/die F\u00fchlende, usw.<\/p>\n<p>Anmerkungen zum Konzept von Rolle:<\/p>\n<p>Die Rolle selbst hat ihre eigene funktionale Logik. Die ihr in diesem Sinne anhaftende Funktion ist aber integraler Bestandteil der Rolle selbst und steht im Dienste der Erf\u00fcllung einer Funktion an sich (s.o.). Die Rolle hat damit ihre funktionalen Auspr\u00e4gungen die f\u00fcr die Ausdifferenzierung des sozialen Systems als solches notwendig sind und, welche nicht zwingend mit dem funktionalen System bzw. der offiziellen Funktion in \u00dcbereinstimmung stehen m\u00fcssen (Inkongruenz von Funktion und Rolle).<\/p>\n<p><strong>Position<\/strong><\/p>\n<p>Im Konzept von Dahrendorf (zit. n. Schrey\u00f6gg, 1992, S. 260f) wird Rolle nicht von Position getrennt. Anders bei Mead (ebd.), der von idealen Dialogbedingungen ausgeht und so sein Rollenkonzept im herrschaftsfreien Raum situiert. Bei Wiswede (1977, S. 57-78) wird explizit von Rollenmacht gesprochen und begrifflich differenziert (Rolle\/Position). Wiswede (ebd., S. 57) begr\u00fcndet mit f\u00fcnf Argumenten weshalb Macht im Zusammenhang mit Rollen bedeutsam ist:<\/p>\n<ul>\n<li>Macht      beeinflusst Entwicklung und Charakter von Rollen<\/li>\n<li>Macht      beeinflusst Rollen Wahl und Zuschreibungsprozesse<\/li>\n<li>Macht      beeinflusst die Bedeutsamkeit einer Rolle<\/li>\n<li>Macht      beeinflusst rollenspezifische Rechte und Pflichten<\/li>\n<li>Macht      beeinflusst rollenbezogene Sanktionsm\u00f6glichkeiten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insgesamt kann davon abgeleitet werden, dass die Position die Durchsetzungskraft einer Person auf formaler und\/oder informeller Ebene beschreibt. Analog dazu \u00e4u\u00dfern sich auch Ruch und Zimbardo (1974, S. 317), sie sprechen von formaler, fachlicher und instrumenteller Autorit\u00e4t (oder Macht) bezogen auf funktionale Aspekte sowie von pers\u00f6nlicher Autorit\u00e4t die dem hier dargestellten Rollenkonzept zugeordnet werden kann. Pers\u00f6nliche Autorit\u00e4t kann somit nur von anderen zuerkannt aber nicht durch einen Anspruch erworben werden. Zusammenfassend, der formale Aspekt ist grunds\u00e4tzlich der Funktion zuzuordnen und der informelle Aspekt ist bei der von Zuschreibungen bedingten Rolle relevant. Und, die Position ist von Funktion und Rolle unterscheidbar.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Welche Schl\u00fcsse sind daraus f\u00fcr die Personal- und Organisationsentwicklung zu ziehen?<\/p>\n<p>\u00a9 2010 Mag. Dr. Josef Eisner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der meist gelesenen Seiten auf diem Blog ist die mit den Ausf\u00fchrungen zum Thema Funktion und Rolle. Da an dortiger Stelle die Ausf\u00fchren zu diesem Thema eher knapp gehalten sind, soll das Konzept von Rolle, Funktion und Position hier noch einmal erg\u00e4nzend veranschaulicht werden. Dies wird zuerst mit einem Beispiel getan, das verdeutlichen soll, wie im Realen Kontext eine Differenzierung zumachen ist und wie sich Rolle, Funktion und Position unterscheiden lassen. Aus gegebenem Anlass wird ein Beispiel aus der Welt des Fu\u00dfballs herangezogen. 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