{"id":825,"date":"2011-01-29T21:09:13","date_gmt":"2011-01-29T20:09:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eisner-elearning.at\/blog\/?p=825"},"modified":"2011-01-29T21:09:13","modified_gmt":"2011-01-29T20:09:13","slug":"paradoxon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/bmoblog\/?p=825","title":{"rendered":"Paradoxon"},"content":{"rendered":"<div id=\"artikelBody\">\n<h2>Wir werden lange nichts merken und dann aufwachen<\/h2>\n<p>Reform  des Bundesheeres?Populistisch vergurkt.  Reform des Steuersystems? Populistisch auf die Debatte \u201eDie Reichen  sollen zahlen\u201c reduziert. Reform des Gesundheitswesens? Beton von den Bundesl\u00e4ndern. Reform des \u00fcberaus kostspieligen und unter dem Gesichtspunkt der  \u201eVerteilungsgerechtigkeit\u201c \u00fcberaus ungerechten (Fr\u00fch-)Pensionssystems?  Keine Chance gegen Gewerkschafterbeton. Reform des Schulsystems? keine Chance gegen Lehrergewerkschaftsbeton.  Reform der Hochschulen? Sterile Debatte \u00fcber Studiengeb\u00fchren und  Zulassungsbeschr\u00e4nkungen, keine strukturellen Verbesserungen.<\/p>\n<p>Ein Konzept f\u00fcr die Integration der Bev\u00f6lkerung mit  Migrationshintergrund (in Wien 44 Prozent)? Statt dessen hilfloser  Fekterismus gegen Stracheismus.<\/p>\n<p>Gegenschuss: Wieso, wozu das alles, es geht uns eh ziemlich gut, was  reden S\u2019 denn allerweil \u00fcber Probleme, Reformen und Konzepte? Es lauft  doch eh!<\/p>\n<p>In der Tat, es l\u00e4uft nicht so schlecht. Das ist das \u00f6sterreichische  Paradoxon: Bei allen strukturellen Defiziten, bei allem sorgenvollen  Kopfsch\u00fctteln vieler Kenner der Situation \u2013 die wirtschaftliche Lage  \u00d6sterreichs und auch der meisten \u00d6sterreicher ist nicht schlecht. So wie  bei uns gemurkst wird (vor allem von der Politik), m\u00fcsste es uns viel  schlechter gehen. M\u00f6gliche Erkl\u00e4rungen: Erstens lebt \u00d6sterreich von seinen vielen, vielen  Klein- und Mittelbetrieben, die mit technischem T\u00fcftlertum und schlauer  Erkenntnis von Marktnischen einen hohen Mehrwert im internationalen  Wettbewerb erwirtschaften. Die ziehen den ganzen gesch\u00fctzten Sektor mit.  Zweitens hat unsere Wirtschaft vor zwanzig Jahren die ungeheure Chance  der Wende im ehemals kommunistischen Ost-und S\u00fcdosteuropa genutzt. Davon  lebt unser ganzer Finanzsektor, der in \u00d6sterreich keine ausreichenden  Gewinne mehr machen kann.<\/p>\n<p>Drittens hat \u00d6sterreichs Position als westlich strukturierter Staat, der  aber zu keinem Milit\u00e4rblock geh\u00f6rt, viele Zug\u00e4nge geschaffen. Das hat  uns in der arabischen Welt, und neuerdings im zentralasiatischen Raum  und an der Schwarzmeerk\u00fcste, viele Chancen er\u00f6ffnet. \u00dcberdies hat es uns  nie gest\u00f6rt, mit despotischen Gerontokleptokraten Gesch\u00e4fte zu machen.  Jetzt hat die Regierung in Davos sogar einen Lunch f\u00fcr ein paar  bedenkliche Herrschaften gegeben. Viertens m\u00fcssen wir uns aber dar\u00fcber im Klaren sein (sind es aber nicht,  was den Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung betrifft), dass wir inzwischen den  Wohlstand gro\u00dfteils auf Schulden finanzieren. \u00d6sterreich hat sich durch  die Erfolge der Vergangenheit ein gutes Standing \u201eauf den M\u00e4rkten\u201c  erarbeitet. Wir kriegen noch genug Kredit, um z.B. unser unhaltbares  System der Fr\u00fchpensionen zu finanzieren. Aber die ersten Experten warnen  schon: Triple-A ist nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p><strong>Wir k\u00f6nnen noch zehn Jahre so weitermachen. Wir k\u00f6nnen noch weiter  Schulabg\u00e4nger produzieren, die nicht lesen, schreiben und rechnen  k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen dem stillen Abgang von vielen einfacheren  Produktionen zusehen. Wir werden lange nichts merken und dann aufwachen.<\/strong> (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2011)<\/p>\n<p>Zitat verf\u00fcgbar unter: http:\/\/derstandard.at\/1295571133153\/Es-lauft-doch-eh-Das-oesterreichische-Paradoxon [Datum des Zugriffs: 19.01.2011]<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir werden lange nichts merken und dann aufwachen Reform des Bundesheeres?Populistisch vergurkt. Reform des Steuersystems? Populistisch auf die Debatte \u201eDie Reichen sollen zahlen\u201c reduziert. Reform des Gesundheitswesens? Beton von den Bundesl\u00e4ndern. Reform des \u00fcberaus kostspieligen und unter dem Gesichtspunkt der \u201eVerteilungsgerechtigkeit\u201c \u00fcberaus ungerechten (Fr\u00fch-)Pensionssystems? Keine Chance gegen Gewerkschafterbeton. Reform des Schulsystems? keine Chance gegen Lehrergewerkschaftsbeton. 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