{"id":866,"date":"2013-08-10T11:14:52","date_gmt":"2013-08-10T10:14:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eisner-elearning.at\/blog\/?p=866"},"modified":"2013-08-10T11:14:52","modified_gmt":"2013-08-10T10:14:52","slug":"so-viele-ltere-sind-an-einem-tiefen-frustrationspunkt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/bmoblog\/?p=866","title":{"rendered":"&#8220;F\u00fchrungstechniken sind \u00fcberbewertet&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Menschenf\u00fchrung auf der Technikschiene ist frustrierend und unergiebig. Wenn Junge direkt aus dem Studium in Vorgesetztenfunktion kommen, dann gehe es darum, sich zu zeigen, sich zu stellen, sagt F\u00fchrungsethiker Ferdinand Rohrhirsch. <\/p>\n<p><a name=\"Byline\"><\/a><\/p>\n<p><i>Hartmut Volk <\/i>    <\/p>\n<hr size=\"1\" width=\"25%\" noshade=\"noshade\" \/>\n<p>Die richtigen F\u00fchrungstechniken, richtig angewandt, ergeben die richtige F\u00fchrung? Wenn es denn so einfach w\u00e4re, sagt der F\u00fchrungs- und Unternehmensethiker Ferdinand Rohrhirsch. So unbestritten notwendig es sei, sich mit F\u00fchrungstechniken ein grundlegendes Handwerkszeug in Sachen Menschenf\u00fchrung anzueignen, so irrig sei aber auch die Vorstellung, sich allein aufgrund dieser Kenntnisse f\u00fcr eine wirkungsvolle F\u00fchrungskraft zu halten. In ihrem Wesenskern sei F\u00fchrung \u00dcberzeugungsarbeit. \u00dcberzeugende F\u00fchrung beginne deshalb mit dem pers\u00f6nlich \u00fcberzeugenden Auftritt. Rohrhirsch: &quot;Verhalten ist wichtiger als Technik.&quot; <\/p>\n<p>Die \u00dcberbewertung von F\u00fchrungstechniken f\u00fchrt der Professor f\u00fcr Praktische Philosophie an der Katholischen Universit\u00e4t Eichst\u00e4tt-Ingolstadt mit auf den Umstand zur\u00fcck, &quot;dass junge F\u00fchrungsverantwortliche heute in der Regel ein Studium absolviert haben und damit auf Wissenschaftlichkeit ausgerichtet sind&quot;. In der Konsequenz hei\u00dfe das: Sie k\u00f6nnen mit Sachproblemen umgehen, aber mit Menschen umzugehen, das haben sie nicht gelernt. Und so werde naheliegenderweise auch die Menschenf\u00fchrung als Sachproblem angesehen und gehandhabt. &quot;Und das wird weder den Bed\u00fcrfnissen von Menschen gerecht noch von ihnen goutiert. Wer sieht sich schon gern als Apparat mit eingebauter Programmsteuerung behandelt?&quot;, sagt Rohrhirsch. Deshalb sei Menschenf\u00fchrung rein auf der Technikschiene f\u00fcr alle Beteiligten meist so frustrierend und unergiebig. <\/p>\n<p>Dieses Problem sei nicht g\u00e4nzlich unbekannt. Deshalb w\u00fcrde insbesondere in gr\u00f6\u00dferen Unternehmen eine gewisse Korrektur dieser Fehlorientierung in der Vorbereitung auf die F\u00fchrungsposition vorgenommen. Nur handele es sich auch dabei wieder um eine auf die Sache &quot;F\u00fchrung&quot; bezogene Schulung, in der trotz Themen wie: &quot;Welche Mitarbeitertypen gibt es? Welcher Typ bin ich? Was ist der Unterschied von intrinsisch und extrinsisch?&quot; die f\u00fchrungstechnische Seite des Geschehens im Vordergrund stehe. Auch die meist dazu geh\u00f6renden Rollenspiele mit Videoarbeit w\u00fcrden diese Akzentuierung nur bedingt in Richtung &quot;Pers\u00f6nlichkeit&quot; erg\u00e4nzen. Wodurch es letztendlich doch bei dem Eindruck bliebe, F\u00fchrung sei ein mit Techniken zu l\u00f6sendes Unterfangen.<\/p>\n<p><b>Von der Theorie &#8230; <\/b><\/p>\n<p>Und so k\u00e4men die ambitionierten jungen F\u00fchrungskr\u00e4fte aus den gesch\u00fctzten R\u00e4umen der Theorie in die von vielf\u00e4ltigen Einfl\u00fcssen gepr\u00e4gte Praxis und stellten im Umgang mit realen Situationen und Menschen fest: alles wie gelernt gemacht, dennoch gelingt F\u00fchrung nicht wie erwartet und erhofft. Naheliegend f\u00fcr Rohrhirsch, &quot;dass da der Gedanke im Kopf zu ticken beginnt: Also muss ich doch was falsch gemacht haben!&quot; &#8211; und dieser Gedanke mache verst\u00e4ndlicherweise schwer zu schaffen. Immerhin wollten und m\u00fcssten sich die Jungen schlie\u00dflich beweisen. Und aus diesem Wunsch und Drang heraus, wei\u00df Rohrhirsch aus Coachings, komme ein zun\u00e4chst beruhigender Gedanke: Vielleicht habe ich ja gar nichts falsch gemacht?! Vielleicht habe ich nur nicht das aktuellste Wissen gelernt!? Vielleicht muss ich nur neue, besser noch: allerneueste Erkenntnisse in neuen Seminaren suchen.<\/p>\n<p>Das sei ein durchaus naheliegender, leider nur kein wirklich weiterf\u00fchrender Gedanke. Wer so denke und handle, hechele st\u00e4ndig hinterher. &quot;Als ob je ein Meister durch sein Werkzeug zum Meister geworden w\u00e4re&quot;, bringt Rohrhirsch den zugrunde liegenden Irrtum auf den Punkt. Techniken seien hilfreiche Werkzeuge im F\u00fchrungsgesch\u00e4ft, &quot;aber nie die letztlich bewegende Seele dieses schwierigen Unterfangens. Sie unterst\u00fctzen eine F\u00fchrungskraft, machen aber keine. \u00dcberzeugende, wirkungsvolle F\u00fchrung gibt es nicht ohne den Mut, sich zu zeigen und sich zu stellen, anderen wie sich selbst.&quot;<\/p>\n<p><b>&#8230; zu den &quot;Untergebenen&quot; <\/b><\/p>\n<p>Erst mit dieser Bereitschaft, offen auf andere Menschen zuzugehen, die andere Meinung nicht geringer als die eigene einzustufen, sich mit kritischen T\u00f6nen seitens der &quot;Untergebenen&quot; ruhig und sachlich auseinanderzusetzen, werde eine tats\u00e4chliche Beziehungsebene geschaffen, auf der sich effiziente Zusammenarbeit entwickeln k\u00f6nne. &quot;Techniken schirmen Menschen von Menschen ab, schlie\u00dfen sie nicht auf, setzen nicht die Kr\u00e4fte frei, die tats\u00e4chlich in einem Menschen stecken. Techniken lassen Mitarbeiter funktionieren, verhindern aber, dass sie wirklich aus sich rausgehen, dass sie auch mit Mut zum Risiko zeigen, was in ihnen steckt&quot;, engagiert sich Rohrhirsch.<\/p>\n<p>Darum sei es ein sich selbst, andere und die Sache sch\u00e4digender Irrweg, sich als F\u00fchrende\/r hinter F\u00fchrungstechniken zu verstecken. F\u00fchrung bedeute, sich als Person sichtbar zu machen. Interessanterweise tauche in der F\u00fchrungsdiskussion das Wort &quot;Demut&quot; pl\u00f6tzlich wieder auf. Bekanntlich stehe der Begriff auch f\u00fcr die Eigenschaft, sich nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzen und im Blick auf andere zu \u00fcberh\u00f6hen. Das ist f\u00fcr Rohrhirsch, &quot;die Eigenschaft, die eine F\u00fchrungskraft in den Augen der Gef\u00fchrten zu einer Pers\u00f6nlichkeit macht, die sie akzeptieren, deren F\u00fchrung sie folgen und der sie sich auch unterordnen. Nicht als Untergebene oder Unterlegene, sondern als Anerkennende und selbstbewusst Mitmachende.&quot; <\/p>\n<p>In diesen Zusammenh\u00e4ngen sieht Rohrhirsch die eigentliche Quelle von F\u00fchrungseffizienz. Deshalb laufe F\u00fchrung als reine Technikarbeit so h\u00e4ufig ins Leere, deshalb sei sie so wenig inspirierend und Menschen in ihrem Inneren so wenig bewegend und damit weniger effizient, als sie es sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p>F\u00fchrung, solle sie im Sinne von Effizienz gelingen, sagt Rohrhirsch, &quot;ist zu zielgerichtetem Tun gewordene Verhaltensqualit\u00e4t. F\u00fchrungseffizienz ist sozusagen materialisierte Anerkennung. Gegenseitige Anerkennung. Aus der wechselseitigen Akzeptanz des anderen erw\u00e4chst die Bereitschaft, sich auf ihn einzulassen und miteinander wirkungsvoll t\u00e4tig zu werden.&quot; Komme dazu noch ein behutsam virtuoses Spiel auf der Klaviatur der Techniken, umso besser. Dieses Spiel allein aber sei nicht der Ton, der die F\u00fchrungsmusik macht. <\/p>\n<p>Zitat: Der Standard (2013 08 10\/11), K8, &quot;F\u00fchrungstechniken sind \u00fcberbewertet&quot; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschenf\u00fchrung auf der Technikschiene ist frustrierend und unergiebig. Wenn Junge direkt aus dem Studium in Vorgesetztenfunktion kommen, dann gehe es darum, sich zu zeigen, sich zu stellen, sagt F\u00fchrungsethiker Ferdinand Rohrhirsch. Hartmut Volk Die richtigen F\u00fchrungstechniken, richtig angewandt, ergeben die richtige F\u00fchrung? Wenn es denn so einfach w\u00e4re, sagt der F\u00fchrungs- und Unternehmensethiker Ferdinand Rohrhirsch. 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