{"id":183,"date":"2018-07-01T13:23:38","date_gmt":"2018-07-01T11:23:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=183"},"modified":"2018-07-05T15:40:06","modified_gmt":"2018-07-05T13:40:06","slug":"der-mensch-als-produkt-teil-3-von-der-ungleichheit-in-unserer-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=183","title":{"rendered":"Der Mensch als Produkt &#8211; Teil 3: Von der Ungleichheit in unserer Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F183&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png?w=780\" alt=\"image_pdf\" title=\"View PDF\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F183&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png?w=780\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/div><h2>Das Leistungsprinzip<\/h2>\n<p>Wie bereits am Ende des vorhergehenden Artikels angesprochen, erf\u00fcllt das Bildungswesen hinsichtlich der Sozialisation von heranwachsenden Menschen eine ganz wesentliche Funktion. In diesem Zusammenhang sei die sogenannte Leistungsideologie bzw. das Leistungsprinzip erw\u00e4hnt. Grundlage hierf\u00fcr ist es, ein Bild einer Leistungsgesellschaft zu vermitteln, der nach es erforderlich ist, im Gegenzug zum Bezug wichtiger G\u00fcter Leistungen zu erbringen. Die schulische Leistungsbeurteilung erf\u00fcllt hier eine wesentliche Rolle der Einpr\u00e4gung dieser Sichtweise in die K\u00f6pfe der Jugendlichen. Grunds\u00e4tzlich ist die Durchsetzung des Leistungsprinzip ein durchaus sehr wertvoller Sieg der Demokratie \u00fcber die fr\u00fcheren feudalen Privilegien. Doch abgesehen davon kann man die Leistungsideologie durchaus auch kritisch betrachten: Denn in ihrem Sinne soll Schule die Anerkennung von Besitzverteilungen und Machtverh\u00e4ltnisse sicherstellen. Dies gelingt mit folgender, der Leistungsideologie entspringender, Argumentation: &#8222;Ungleichheit ist das Ergebnis individuell unterschiedlicher Anstrengung&#8220;. Das bedeutet, dass demnach jeder gleicherma\u00dfen Chancen auf Erfolg hat und diese lediglich durch die eigene Bereitschaft zur Anstrengung zur Entfaltung bringen kann. Somit h\u00e4tte jemand, der den sozialen Aufstieg nicht schafft, sich das seiner eigenen mangelnden Leistungsbereitschaft zuzuschreiben. Dass dieses Leistungsprinzip im Sinne einer inklusiven Gesellschaft nicht fair ist, liegt auf der Hand: Nicht jeder Mensch verf\u00fcgt \u00fcber die gleichen Startvoraussetzungen und Anstrengung wird nicht in allen gesellschaftlichen Gruppierungen gleich mit Erfolg &#8222;entlohnt&#8220;. Zudem kommt, dass in der Gesellschaft auch noch andere Prinzipien Anwendung finden:<\/p>\n<ul>\n<li>Bekannheitsprinzip (Hier besteht eine Bevorzugung durch direkte bzw. indirekte Beziehung zu den Ausw\u00e4hlenden)<\/li>\n<li>Ideologieprinzip (Parteizugeh\u00f6rigkeit und\/oder Gesinnungsn\u00e4he als Auswahlkriterium)<\/li>\n<li>Anciennit\u00e4tsprinzip (Vorziehen altgedienter Personen)<\/li>\n<li>Sozialprinzip (Bevorzugung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen bei ansonsten gleicher Qualifikation)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit dem Etablieren des Leistungsprinzips in Bildungsinstitutionen k\u00f6nnte man diese gewisserma\u00dfen als Herrschaftsinstrument im Dienste der Interessen einer kapitalistischen Gesellschaft sehen, das den in ihr m\u00e4chtigen Gruppen in die Karten spielt, indem es die materielle Ungleichheit zwischen den Menschen auf diese Weise legitimiert.<\/p>\n<p>In der Schule findet das Leistungsprinzip in der Vergabe von Schulnoten symbolisch Anwendung. Problematisch ist, gerade auch hinsichtlich des Themas &#8222;Diversit\u00e4t und Inklusion&#8220;, dass hier im Endeffekt Menschen als Summe ihrer Effizienz gesehen werden und Leistung zu einem Hauptkriterium in der Feststellung des Wertes eines Menschen wird.<\/p>\n<h4>Leistungszielorientierung vs. Lernzielorientierung<\/h4>\n<p>Hinsichtlich eines Schulalltags, der sich zunehmend st\u00e4rker auf Sch\u00fclerInnenleistung fokussiert, zeigt sich, dass eine leistungszielorientiere Haltung seitens der Sch\u00fclerInnen mit extrinsischer Motivation einhergeht, da Handlungen aufgrund positiver Folgen (Belohnung, beispielsweise durch das Notensystem) oder auch Vermeidung von Bestrafung (Konsequenzen schlechter Benotung) vollzogen werden. Dies steht im Gegensatz zu einer Lernzielorientierung, bei der die Sch\u00fclerInnen eher um der Sache selbst willen aufgabenorientiert und intrinsisch motiviert arbeiten. Letztere Einstellung zeichnet eine nachhaltige und menschliche Herangehensweise in der Bildungsarbeit aus. Sie weist bei den Kindern auch signifikant h\u00f6here Lernraten auf, als bei Leistungszielorientierung. Dennoch tritt Leistungszielorientierung bei mehr als der H\u00e4lfte aller Sch\u00fcler, n\u00e4mlich zu 53,4% auf. Eine Aufgabenorientierung findet sich zu nur 13,7%!<\/p>\n<p>Als Lehrkraft wird es demnach wichtig sein, Gegenerfahrungen zur \u00fcblichen Leistungskontrolle anzubieten, um damit einen menschlicheren, motivationsf\u00f6rderlichen und langfristigeren Zugang zum Lernen zu schaffen. Vielleicht sollte sich in den einzelnen F\u00e4chernd der Fokus ein wenig verschieben: Nicht nur darauf schauen, wie man das Fach am besten vermittelt und die Effizienz dieser Vermittlung erhebt, sondern vielmehr die Frage stellen, was man mit dem Fach dazu beitragen kann, dass es dem Sch\u00fcler, der Sch\u00fclerin bei seiner\/ihrer Menschwerdung hilft! So geschieht Lernen letztlich nicht f\u00fcr die Note, sondern f\u00fcr wesentlich h\u00f6here Werte &#8211; wenn wir die Pers\u00f6nlichkeitsbildung der Einzelnen in all unseren Handlungen als Lehrperson im Blick haben.<\/p>\n<p>In den folgenden Beitr\u00e4gen werden wir uns dem Spannungsfeld von Schule und Wirtschaft widmen, dem schlussendlich auch die aktuelle Debatte \u00fcber Standardisierung und Vereinheitlichung entspringt.<\/p>\n<h6><\/h6>\n<h6>_____<\/h6>\n<h6>Literatur (s\u00e4mtlicher Artikel dieser Reihe):<\/h6>\n<p>Bohnsack, F. (2008). Schule &#8211; Verlust oder St\u00e4rkung der Person? Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.<\/p>\n<p>Fend, H. (20082). Neue Theorie der Schule. Einf\u00fchrung in das Verstehen von Bildungssystemen. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n<p>Grimm G. (2011). Uniformierung und (Sozial-)Disziplinierung als p\u00e4dagogisch-bildungs-politische Leitprinzipien bei der Grundlegung des \u00f6ffentlich-staatlichen Pflichtschulwesens in \u00d6sterreich im 18. Jahrhundert. In S. Sting, &amp; V. Wakounig (Hrsg.), Bildung zwischen Standardisierung, Ausgrenzung und Anerkennung von Diversit\u00e4t, Band 12. (S. 101-113). Wien: LIT Verlag.<\/p>\n<p>Klein, R. (2010). Fest-Stellungen: zur Entsorgung von Reflexivit\u00e4t durch Kultur- und Bildungsstandards. In S. Dungs (Hrsg.), &amp; R. Klein, Standardisierung der Bildung. Zwischen Subjekt und Kultur. (S. 29-54). Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n<p>Oelkers, J. (2003). Wie man Schule entwickelt. Eine bildungspolitische Analyse nach PISA. Weinheim, Basel, Berlin: Beltz Verlag.<\/p>\n<p>Tauscher, A. (1968). Die Stellung des Lehrers in der Gesellschaft von heute oder Die Begegnung von Wirtschaft und Schule. In. Sozial- und Wirtschaftskundliche Schriftenreihe, Heft 5. Wien: Sparkassenverlag Gesellschaft m.b.H.<\/p>\n<p>Winter, F. (2006). Leistungsbewertung. Eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit den Sch\u00fclerleistungen. In J. Bennack, A. Kaiser, &amp; R. Winkel (Hrsg.), Grundlagen der Schulp\u00e4dagogik, Band 49. Stuttgard: Schneider Verlag.<\/p>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\"><div class=\"robots-nocontent sd-block sd-social sd-social-icon sd-sharing\"><h3 class=\"sd-title\">Teilen mit:<\/h3><div class=\"sd-content\"><ul><li class=\"share-twitter\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-twitter-183\" class=\"share-twitter sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=183&amp;share=twitter\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-facebook\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-facebook-183\" class=\"share-facebook sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=183&amp;share=facebook\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um auf Facebook zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-email\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-email sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=183&amp;share=email\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Leistungsprinzip Wie bereits am Ende des vorhergehenden Artikels angesprochen, erf\u00fcllt das Bildungswesen hinsichtlich der Sozialisation von heranwachsenden Menschen eine ganz wesentliche Funktion. 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