{"id":2147,"date":"2021-04-27T21:29:19","date_gmt":"2021-04-27T19:29:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuleundgesellschaft.work\/blogunisbg\/?p=2147"},"modified":"2021-04-27T21:29:19","modified_gmt":"2021-04-27T19:29:19","slug":"schule-und-veraenderung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=2147","title":{"rendered":"Schule und Ver\u00e4nderung"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F2147&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png?w=780\" alt=\"image_pdf\" title=\"View PDF\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F2147&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png?w=780\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/div><p>Ausgehend von drei Kapiteln des Beitrags <em>\u00d6sterreich <\/em>von Ferdinand Eder und Josef Thonhauser in <em>Die Bildungssysteme Europas <\/em>(Grundlagen der Schulp\u00e4dagogik, Band 46) hat uns in den vergangenen Wochen das Thema Ver\u00e4nderung im Kontext von Schule und Schulsystem besch\u00e4ftigt. Dabei haben wir uns sowohl Ver\u00e4nderungen in der Vergangenheit, die zum heutigen Ist-Zustand gef\u00fchrt haben, angesehen, als auch \u00dcberlegungen angestellt, welche Ver\u00e4nderungen nun passieren m\u00fcssten und wie wir als angehende Lehrer*innen dazu beitragen k\u00f6nnen, dass die Schule und das Schulsystem der Zukunft funktionieren kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderung und Nicht-Ver\u00e4nderung im historischen Kontext <\/strong><\/p>\n<p><em>(Annemarie Schaffer)<\/em><\/p>\n<p>Das \u00f6ffentliche \u00f6sterreichische Schulsystem und seine Entwicklung befinden sich seit seiner Entstehung im 18. Jahrhundert in einem Spannungsfeld zwischen \u2013 wie es Ferdinand Eder und Josef Thonhauser ausr\u00fccken \u2013 \u201eprogressiven Ideen\u201c und \u201ekonservative[m] bis reaktion\u00e4re[m] Festhalten am jeweiligen Status quo\u201c. Dass das Ver\u00e4nderungen und Anpassungen am System erschwert und manchmal sogar verunm\u00f6glicht, ist leicht nachzuvollziehen.<\/p>\n<p>Was 1770 eine wichtige und notwendige Neuerung war \u2013 n\u00e4mlich, dass das Schulwesen zur Staatsangelegenheit wurde \u2013 erweist sich heutzutage oft eher als Bremsklotz f\u00fcr eine sinnvolle Entwicklung. Denn das von Kaiserin Maria Theresia erlassene Dekret, das Schule \u201eallzeit [zu] ein[em] Politikum\u201c erkl\u00e4rte, mag damals die Kirche als Bildungstr\u00e4ger obsolet und Bildung allgemein zug\u00e4nglicher gemacht haben; heute aber dient das Politikum Schule oft als B\u00fchne oder Projektionsfl\u00e4che parteipolitischer Machtk\u00e4mpfe, wobei ein unvoreingenommenes Nachdenken \u00fcber Nutzen und Sinn f\u00fcr das Schulsystem au\u00dfen vor bleibt. Ein gleichzeitig pr\u00e4sentes und langgedientes Beispiel daf\u00fcr ist die Diskussion um die Gesamtschule. Die Idee ist absolut keine neue, wie es auch ein <a href=\"https:\/\/oe1.orf.at\/artikel\/259414\/Die-Geschichte-der-Gesamtschule\">\u00dcberblicksartikel auf der Website des Radiosenders \u00d61<\/a> zeigt: Schon im 17. fordert der protestantische Theologe und P\u00e4dagoge Johann Amos Comenius eine allumfassende Bildung f\u00fcr alle Menschen unabh\u00e4ngig von ihrer sozialen Stellung. In \u00d6sterreich war es 1848 der Unterstaatssekret\u00e4r Ernst Freiherr von Feuchtersleben, der als erster f\u00fcr alle Kinder zwischen elf und 14 Jahren eine gemeinsame Schule, das Progymnasium, wollte. Doch erste Versuche in diese Richtung gab es erst im rot regierten Wien der 1920er unter dem Schulratspr\u00e4sidenten Otto Gl\u00f6ckel. Diese stie\u00dfen jedoch auf breiten Widerstand und die Idee der Gesamtschule wurde zum Inhalt parteipolitischen Lagerdenkens \u2013 und ist es bis heute geblieben. Zuletzt machte sich das \u2013 wie in einem <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/5233943\/die-gesamtschule-ruckt-naher\">Beitrag der Tageszeitung <em>Die Presse<\/em><\/a> nachzulesen \u2013 2017 im Zuge der damaligen Bildungsreform bemerkbar: Sozusagen als Zuckerl f\u00fcr die Gr\u00fcnen, die die damalige rot-schwarze Regierung f\u00fcr eine beschlussf\u00e4hige Mehrheit brauchte, \u00f6ffnete der damalige Gesetzesentwurf \u201edie T\u00fcr f\u00fcr die Gesamtschule\u201c \u2013 zwar nur f\u00fcr Modellregionen im Burgenland und in Vorarlberg, aber immerhin. Dass dabei aber eben nicht p\u00e4dagogische \u00dcberlegungen ausschlaggebend waren, sondern die Jagd nach einer Mehrheit im Parlament, ist offensichtlich und wird noch klarer im Zusammenhang mit der Aussage des damaligen Vizekanzlers Wolfgang Brandstetter (\u00d6VP), dass nun, die SP\u00d6 bei der Studienplatzfinanzierung am Zug sei. Themen wie die Ganztagsschule oder die Studienplatzfinanzierung bedeuten zum Teil weitreichende Ver\u00e4nderungen f\u00fcr Sch\u00fcler*innen und Studierende und sollten deshalb eigentlich nicht Gegenst\u00e4nde von parteipolitischem <em>quid pro quo<\/em> sein. Dass sich aber dahingehend in \u00d6sterreich etwas ver\u00e4ndert, ist unwahrscheinlich, denn Schule ist und bleibt \u201eallzeit ein Politikum\u201c.<\/p>\n<p>Dabei f\u00e4llt es den streitenden Parteien auch nicht auf, dass \u2013 um beim Beispiel der Gesamtschule zu bleiben \u2013 ihr \u201eStreitgegenstand historisch tot ist\u201c, wie es der Bildungsexperte Stefan Hopmann (zitiert im oben verlinkten \u00d61 Artikel) ausdr\u00fcckt. Denn \u201ebeide Seiten sitzen\u201c, so Hopmann,\u00a0\u201eim Prinzip immer noch im selben Sch\u00fctzengraben; Die eine k\u00e4mpft noch immer darum, eine gleichberechtigte Beteiligung an der Struktur der anderen zu bekommen, und die andere reagiert strukturkonservativ und sagt: Nein, wir wollen aber nicht zu viele von euch.\u201c Dabei sei es laut Erkenntnissen der Bildungsforschung klar, dass oberfl\u00e4chliche \u00c4nderungen \u2013 das hei\u00dft der Name oder das Label einer Schule \u2013 an der Situation nichts ver\u00e4ndern. Das erl\u00e4utert der Bildungsexperte folgenderma\u00dfen: \u201eEine wirkliche \u00c4nderung w\u00e4re ja nur dann gegeben, wenn wir tats\u00e4chlich bereit w\u00e4ren, denen, die weniger Bildungsressourcen zuhause haben, mehr in der Schule zu geben. Also produktive Ungleichbehandlung. Ob ich die jetzt in einer Gesamtschule mache wie die Skandinavier oder in vielen verschieden Schulformaten wie die Kanadier oder Holl\u00e4nder, ist egal. Die Frage ist: Bin ich bereit zur produktiven Ungleichbehandlung? Und die ist politisch schwer durchsetzbar.\u201c<\/p>\n<p>Das hei\u00dft also: \u00c4nderungen und Nicht-\u00c4nderungen im und am Schulsystem werden in \u00d6sterreich wohl immer (partei-)politisch motiviert sein. Dass es dabei zu tiefenstrukturellen zeitgem\u00e4\u00dfen \u00c4nderungen kommt, scheint unwahrscheinlich, wenn man betrachtet, wie \u00e4hnlich das heutige Schulsystem dem von vor 200 Jahren in manchen Bereichen noch ist. Die meist oberfl\u00e4chlichen \u00c4nderungen k\u00f6nnen leicht im politischen Hick-Hack der Parteien verlorengehen oder bei einem Wechsel der Regierungsparteien wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Als Lehrperson befindet man sich damit in einem an sich recht starren System, das aber h\u00e4ufig seinen Anschein wechselt. In diesem Rahmen gilt es nun, den Sch\u00fcler*innen abseits von politisch motivierter Einflussnahme und in jedem von au\u00dfen aufgedr\u00fcckten System die bestm\u00f6gliche zeitgem\u00e4\u00dfe Bildung angedeihen zu lassen, damit sie in einer sich stetig ver\u00e4ndernden Welt Fu\u00df fassen k\u00f6nnen. So kann (sinnvolle) \u00c4nderung von innen heraus entstehen. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schulpflicht? <\/strong><em>(Samir Eghbali)<\/em><\/p>\n<p>Bei Ferdinand Eder und Josef Thonhauser ist die Schulpflicht als Teil der Struktur des Bildungssystems gelistet. Sie beschreiben im dritten Kapitel, wie das \u00f6sterreichische Schulsystem aufgebaut ist:\u00a0 vom Elementarbereich \u00fcber die Sonderformen im Schulsystem bis hin zum terti\u00e4ren Bildungsbereich, welcher Bildungseinrichtungen wie Hochschulen und Universit\u00e4ten umfasst.<\/p>\n<p>In meinem Beitrag m\u00f6chte ich das Werkzeug der Schulpflicht n\u00e4her betrachten und welches Problem ich dabei sehe. Das \u00f6sterreichische Schulsystem besteht wie z.B. das deutsche auch aus 9 Jahren Schulpflicht f\u00fcr alle, die sich dauernd in \u00d6sterreich aufhalten. Ein wichtiger Punkt, der in einer Pandemie-Zeit (aktuell Corona) nach meiner Ansicht schwer durchzusetzen ist. Denn was bedeutet eigentlich Schulpflicht? Wird die Schulpflicht allein durch die Anwesenheit im Unterricht erf\u00fcllt oder z\u00e4hlen auch Mitarbeit und gute Noten? Wie \u00fcberpr\u00fcft man die Schulpflicht in einer Zeit, die gepr\u00e4gt ist von Home-Office, Homeschooling und E-Learning? Welche\/r Lehrer\/in kann bemerken, wenn der\/die bereits im Pr\u00e4senzunterricht stille Sch\u00fcler\/in im Online-Unterricht ebenso still ist und statt zu lernen und aufmerksam der Lehrkraft zu folgen ganz einfach seinen Hobbys nachgeht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es auch trotz einer zugeschalteten Kamera viele M\u00f6glichkeiten gibt, sich anderweitig zu besch\u00e4ftigen. Und genau da kommt die Schulpflicht meines Erachtens an ihre Grenze. Man kann den Kopf von SuS zwar in die Schule zwingen, jedoch nicht die Schule in die K\u00f6pfe der SuS.<\/p>\n<p>Was also tun? Die SuS aufgeben, die sich nicht integrieren? Den Gr\u00fcnden aus dem Weg gehen, weshalb SuS nicht in die Schule wollen, wieso sie sich weigern, mitzuarbeiten. Fast jede\/r SuS war einmal in der Situation, keine Lust mehr gehabt zu haben, die Schule als \u00fcberfl\u00fcssig empfunden zu haben oder einfach geschw\u00e4nzt zu haben, weil man etwas anderes tun wollte. Anstatt jedoch nach den Gr\u00fcnden gefragt zu werden, wurde man h\u00e4ufig nur abgemahnt, in Form von schlechten Noten, einem Vermerk im Zeugnis, einem Gespr\u00e4ch mit den Eltern oder im schlimmsten Fall einem Verweis.<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach sollte, anstatt die SuS einfach nur in die Schule \u201ezu zwingen\u201c, den Beweggr\u00fcnden, wieso sie nicht gehen wollen, mehr Beachtung geschenkt werden. Nat\u00fcrlich zweifle ich nicht an der Zweckm\u00e4\u00dfigkeit der Schulpflicht, denn sie ist schon ein bew\u00e4hrtes Instrument, SuS nicht nur die M\u00f6glichkeit von Bildung zu geben, sondern diese M\u00f6glichkeit auch f\u00fcr jede Person, die in \u00d6sterreich lebt, verbindlich zu machen. Allerdings sehe ich auch einen Weg zu einer besseren Bildung darin, es zu schaffen, dass SuS aus Einsicht oder idealerweise aus positiver Motivation heraus von sich aus zur Schule gehen wollen und nicht nur, weil sie durch die Schulpflicht dazu gezwungen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wann platzt die Blase des \u00f6sterreichischen Schulsystems? <\/strong><\/p>\n<p><em>(Denise Zacherl)<\/em><\/p>\n<p>Dass das \u00f6sterreichische Schulsystem mit vielen Problemen zu k\u00e4mpfen hat, ist definitiv nichts Neues. In der PISA- Studie fallen wir von Jahr zu Jahr immer weiter zur\u00fcck, was daher auch nicht \u00fcberraschend kommt. Doch woran liegt das? Wieso wird es f\u00fcr die meisten Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen immer schwieriger, gute Noten nach Hause zu bringen, anstatt leichter? Mit dem heutigen \u00dcberfluss an Bildungsangeboten m\u00fcsste doch f\u00fcr jedes Kind das passende dabei sein.<\/p>\n<p>Das Schulsystem in \u00d6sterreich ist gepr\u00e4gt von fortlaufenden Ver\u00e4nderungen. Von neuen Lehrpl\u00e4nen, besseren p\u00e4dagogischen Methoden oder Modellen bis hin zur neuen bundesweiten Zentralmatura. Es wird versucht, alles neu, anders und vor allem kompetenzorientierter zu gestalten. Die Kinder sollten mehr lernen, mehr Wissen aneignen und vor allem mehr leisten. Aufgrund dieser andauernden Erneuerungen sowie Ver\u00e4nderungen werden die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen immer wieder vor neue Aufgaben gestellt.<\/p>\n<p>Doch Ver\u00e4nderung hei\u00dft nicht automatisch gut. Diejenigen, die es am meisten betrifft, werden dabei meist \u00fcbersehen. N\u00e4mlich die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen! F\u00fcr diese hei\u00dft neu und mehr nicht immer besser, sondern viel mehr Stress, weniger Freizeit und ein viel zu hoher Druck lastet auf ihnen, denn sie m\u00fcssen nat\u00fcrlich mit den Erneuerungen mithalten. Als Beispiel f\u00fchre ich an dieser Stelle die bundesweite Zentralmatura an. Ich selbst habe vor 2 Jahren maturiert und habe diese Erfahrung miterlebt. Die Zentralmatura wurde uns vorgestellt als tolle neue M\u00f6glichkeit, unseren Abschluss zu machen.<\/p>\n<p>Aber was hat das f\u00fcr uns bzw. f\u00fcr die heutigen Sch\u00fcler\/innen f\u00fcr Auswirkungen? Selbstverst\u00e4ndlich erfordert eine neue Matura auch neue Grundkompetenzen, neue Lernmethoden und vor allem: eine neue Benotung. Dies war die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde, sowohl f\u00fcr unsere Klasse als auch f\u00fcr unsere Lehrpersonen. Denn diese konnten uns in den meisten Unterrichtsf\u00e4chern nicht mehr so benoten wie fr\u00fcher, mussten sich strikt an die Vorgaben halten und es gab fast ausschlie\u00dflich neue Aufgabenformate. Nat\u00fcrlich hat die Zentralmatura auch gewisse Vorteile, wie z.B., dass alle Absolvent\/innen einer h\u00f6heren Schule die gleichen Voraussetzungen nach ihrem Abschluss mitbringen. Meiner Meinung nach \u00fcberwiegen hier jedoch ganz klar die Nachteile und speziell f\u00fcr die Sch\u00fcler\/innen selbst stellt es eine klare Ver\u00e4nderung ins Negative dar. Wie auch von Eder und Thonhauser in ihrem Text \u201e\u00d6sterreich\u201c beschrieben, wird der Abschluss dadurch eher objektiv angesehen und die individuellen St\u00e4rken der Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen gehen damit verloren.<\/p>\n<p>Das eben angesprochene Thema ist jedoch nur eine von insgesamt vier gro\u00dfen Problematiken, mit welchem das \u00f6sterreichische Schulsystem laut Eder und Thonhauser heutzutage zu k\u00e4mpfen hat. Eine weitere gro\u00dfe H\u00fcrde im Schulsystem bildet zudem der \u00dcbergang zwischen der allgemeinen Volksschule und der n\u00e4chsth\u00f6heren Schulstufe. Hierbei hat ein\/e Sch\u00fcler\/in zwei M\u00f6glichkeiten, entweder das Kind schafft es anhand ihrer schulischen Leistungen in eine AHS oder muss sich mit der Mittelschule zufriedengeben. Doch warum habe ich eben die W\u00f6rter \u201eschaffen\u201c und \u201ezufriedengeben\u201c im Zusammenhang mit Schulen benutzt? In unserer heutigen Gesellschaft hat sich das Gesamtbild einer AHS und einer Mittelschule (ehemals Hauptschule) so stark gewandelt, dass die AHS fast als \u201eElite Schule\u201c angesehen wird. Sozusagen nur noch f\u00fcr die \u201eBesseren\u201c vorbehalten. Jedes Kind, welches die gewissen schulischen Voraussetzungen f\u00fcr die Aufnahme nicht erf\u00fcllt, hat keine andere Wahl als die Mittelschule. Durch diese Tatsache wird die Mittelschule automatisch \u2013 ob gewollt oder nicht \u2013 zu etwas schlechterem gemacht. Jegliche Versuche, die Mittelschule attraktiver und interessanter zu gestalten, blieben bislang erfolgslos.<\/p>\n<p>Was hat sich allerdings so stark ge\u00e4ndert, dass Eltern ihre Kinder lieber in einer AHS unterbringen wollen, ohne auf deren individuellen F\u00f6rderungsbedarf R\u00fccksicht zu nehmen? In diesem Punkt flie\u00dfen bereits die n\u00e4chsten zwei gro\u00dfen Problematiken mit ein, n\u00e4mlich der Umgang mit besonderen F\u00f6rderungen sowie die Ma\u00dfnahmen von Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen mit Migrationshintergrund.<\/p>\n<p>Erstens wollen es viele Eltern schlicht und einfach nicht wahrhaben, dass ihr Kind mit dem Lehrplan einer AHS eventuell nicht mithalten kann und eine spezielle Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigen w\u00fcrde. Sie ignorieren die Tatsache, dass genau ihr Kind den schulischen Anforderungen nicht gewachsen ist. Obwohl es mittlerweile bekannt ist, dass die Mittelschule mehr F\u00f6rderungen anbietet, bzw. mehr auf die individuellen Bed\u00fcrfnisse der Kinder einzugehen versucht, auch weil mehr als eine Lehrkraft die Unterrichtsstunden betreut, \u00fcberzeugen diese Argumente die meisten Eltern leider nicht. Zweitens werden auch \u00f6fters Kinder mit Migrationshintergrund als Einflussfaktor angesehen, das Kind lieber in eine AHS zu schicken. Die meisten Personen assoziieren Kinder mit anderer Herkunft sofort mit schlechten Deutschkenntnissen, schlechteren Leistungen und noch schlechteren Noten. Dies wird auch von der Hypothese gest\u00e4rkt, dass solche Kinder in der Regel eine Mittelschule besuchen. Leider wird auch hier \u00fcbersehen, dass die Herkunft allein nichts \u00fcber die Intelligenz, bzw. die F\u00e4higkeit oder dem Willen zur Leistung aussagt. Vielmehr erachte ich es als sehr wichtig, diesen Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen die gleichen Chancen zu erm\u00f6glichen, um sie dadurch besser zu integrieren und zu f\u00f6rdern. Hierbei ist es auch wichtig, das Elternhaus mit einzubeziehen. Denn ohne Unterst\u00fctzung zu Hause ist es f\u00fcr Kinder nochmals ein St\u00fcck schwerer. Doch auch hier mangelt es leider an Verst\u00e4ndnis und auch am Willen der \u00f6sterreichischen Eltern.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich als angehende Lehrperson hei\u00dft dies nun, in Zukunft selbst aktiv zu werden, um nicht nur meine Sch\u00fcler\/innen in den verschiedensten Bereichen zu unterst\u00fctzen, sondern auch, dem negativen Image der Mittelschule entschieden entgegenzutreten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>COVID-19 \u2013 Die Pandemie als (zus\u00e4tzliches) Problem des Schulsystems <\/strong><\/p>\n<p><em>(Nicole Balasoiu)<\/em><\/p>\n<p>Derzeit ist schon lange bekannt, dass das \u00f6sterreichische Schulsystem gewisse Probleme in sich tr\u00e4gt, die jedoch verschiedene Wurzeln haben. Auch bei den PISA-Studien werden die Ergebnisse schlechter und schlechter. Doch warum? Das \u00f6sterreichische Schulsystem ist bem\u00fcht, den Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen mit Migrationshintergrund genug Integration anzubieten. Auch f\u00fcr Lehrpersonen gibt es immer mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Weiter- und Fortbildungen. Es gibt \u00fcberzentrale Ver\u00e4nderungen wie zum Beispiel die Zentralmatura oder die Lehrpl\u00e4ne, die trotzdem die Probleme nicht ganz verhindern.<\/p>\n<p>Denise Zacherl hat im vorigen Absatz die Probleme behandelt, sie ausdiskutiert und das wichtigste schon erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Hinzugef\u00fcgt werden kann noch die Tatsache, dass heutzutage, in der aktuellen Covid-19-Situation, in der alle Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen gefangen sind, Probleme dazukommen. Der Stress, der sie verfolgt, ist noch immer pr\u00e4sent. Sie erhalten Aufgaben und Haus\u00fcbungen, m\u00fcssen sich teils selbst den Schulstoff beibringen und haben dabei oft keine Unterst\u00fctzung von einer Lehrperson. Der Druck wird gr\u00f6\u00dfer. Falls die Eltern arbeitst\u00e4tig sind und sich nicht zu Hause befinden, k\u00f6nnen nicht einmal sie eine Unterst\u00fctzung sein.<\/p>\n<p>Jede Schule und jede Schulstufe vereinbart schulintern, wie sie die Situation bew\u00e4ltigen, ob sie Online-Stunden organisieren, zus\u00e4tzliche Hilfe und Erkl\u00e4rungen von der lehrenden Person anbieten oder ob sich die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen allein mit dem Stoff auseinandersetzen und die Aufgaben erledigen sollen. Doch m\u00fcssten die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen nicht priorit\u00e4r sein? Viele f\u00fchlen sich im Stich gelassen. Der soziale Kontakt, der ihnen fehlt, tr\u00e4gt dazu bei, dass sich die Situation auf sie noch anstrengender auswirkt. Dazu kommt noch, dass nicht alle Kinder die gleichen Chancen im Distance Learning haben. Damit werden die sozialen Ungleichheiten verst\u00e4rkt. Am meisten betroffen sind die Kinder aus sozial schw\u00e4cheren Haushalten. Daher ist auch hier eine Ver\u00e4nderung n\u00f6tig. Platz daf\u00fcr gibt es genug.<\/p>\n<p>Als zuk\u00fcnftige Lehrperson nehme ich mir vor, selbst auch aktiv zu werden und meinen Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen eine passende Unterst\u00fctzung und Hilfe zu sein. Eine passende und engagierte Lehrperson kann in vielen Hinsichten ein Beispiel f\u00fcr die Kinder sein. Daher ist es wichtig, pers\u00f6nliche Haltung und Verhalten zu \u00e4ndern, bevor man versucht die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen zu \u00e4ndern.<\/p>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\"><div class=\"robots-nocontent sd-block sd-social sd-social-icon sd-sharing\"><h3 class=\"sd-title\">Teilen mit:<\/h3><div class=\"sd-content\"><ul><li class=\"share-twitter\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-twitter-2147\" class=\"share-twitter sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=2147&amp;share=twitter\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-facebook\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-facebook-2147\" class=\"share-facebook sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=2147&amp;share=facebook\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um auf Facebook zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-email\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-email sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=2147&amp;share=email\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgehend von drei Kapiteln des Beitrags \u00d6sterreich von Ferdinand Eder und Josef Thonhauser in Die Bildungssysteme Europas (Grundlagen der Schulp\u00e4dagogik, Band 46) hat uns in den vergangenen Wochen das Thema Ver\u00e4nderung im Kontext von Schule und Schulsystem besch\u00e4ftigt. 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Die Schule kann nach der Sekundarstufe I um die Sekundarstufe II\u2026","rel":"","context":"In &quot;Blog-Management&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":1956,"url":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=1956","url_meta":{"origin":2147,"position":3},"title":"Von Selektion zu Inklusion \u2013 die Schule auf dem Weg in die Zukunft!","date":"13. 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