{"id":243,"date":"2018-07-05T15:38:07","date_gmt":"2018-07-05T13:38:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=243"},"modified":"2018-07-05T20:05:25","modified_gmt":"2018-07-05T18:05:25","slug":"der-mensch-als-produkt-teil-6-bildung-oder-ausbildung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=243","title":{"rendered":"Der Mensch als Produkt &#8211; Teil 6: Bildung oder Ausbildung?"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F243&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png?w=780\" alt=\"image_pdf\" title=\"View PDF\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F243&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png?w=780\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/div><p>Mit dem sechsten und letzten Artikel dieser kurzen Beitragsreihe haben wir den anfangs angesprochenen thematischen Bogen beinah zu Ende gespannt. Wir sind von einer ganz allgemeinen Definition von Bildungssystemen ausgegangen, haben uns generelle Ziele von Bildungsinstitutionen angesehen und haben einen Blick auf die Schulhistorie geworfen. Dabei ist uns klar geworden, wie eng Schule mit gesellschaftlich verankerten Ansichten verwoben ist. Anhand des Leistungsprinzips und der direkten Verkn\u00fcpfung gesellschaftlicher Subsysteme &#8211; zu denen auch das Bildungssystem geh\u00f6rt &#8211; zu einer Trias wurde ersichtlich, wie Bildung durch \u00f6konomische Prozesse bedingt wird und wie daraus letztlich Gr\u00fcnde f\u00fcr aktuelle Bildungsentwicklungen (wie beispielsweise Standardisierung und Kontrollbestreben) abgeleitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es muss dabei zu den Standards aber gesagt werden, dass diese nicht per se schlecht sind. Die Verwendung von Standards und Kompetenzbegriffen ist sogar unvermeidbar. Die Frage ist nur, wie damit umgegangen wird. Eine strengere Ergebnisorientierung f\u00fchrt konsequenterweise zu Normierung und Verengung. Die Gefahr besteht, dass mit der Standardisierung von Bildungsprozessen, welche immer auch Pers\u00f6nlichkeiten formen, letztlich auch die Personen standardisiert werden. Lerninhalte werden m\u00f6glicherweise nur noch unter dem Eindruck vorausberechenbarer Kompetenzen wahrgenommen und auf das \u00dcberpr\u00fcfbare zurechtgeschnitten.<\/p>\n<h4>Welchen Grundstein legen wir in der Schule von heute?<\/h4>\n<p>Es gilt, mit der Formung von Menschen durch Bildungsarbeit verantwortungsvoll umzugehen. Dazu geh\u00f6rt meiner Meinung nach in jedem Fall zu erkennen, welche Mechanismen wirken, wenn eine Gesellschaft entscheidet, welche Bildungsinhalte als wichtig, welche als unwichtig erachtet werden und folglich nicht ihren Weg in die Bildungsinstitutionen finden. Aktuelle, gesellschaftspolitische Wertvorstellungen formen die Schule von heute. Die Schule von heute formt den Menschen von morgen. Und in dessen H\u00e4nden liegt nichts Geringeres, als die Zukunft dieser Welt. Dessen H\u00e4nde werden die Welt nach einer Vorstellung gestalten, f\u00fcr welche wir heute in den Schulen den Grundstein legen. Dabei sehe ich verallgemeinernd zwei Szenarien: Ist diese Grundsteinlegung gepr\u00e4gt von Nachhaltigkeit und sorgsamem Umgang mit andern, so sind dies die besten Voraussetzungen einer von Menschlichkeit, Frieden und Miteinander gepr\u00e4gten Zukunft. Doch wenn politische Polemik und wirtschaftliche Kurzsichtigkeit im Sinne eines Anstrebens unendlichen Wachstums (ein Umstand, der schon rein mathematisch keine Zukunft hat) diesen Grundstein pr\u00e4gen, so wei\u00df ich nicht, wo hier der Mensch selbst bleibt. Dann wendet sich das Konstrukt &#8222;Gesellschaft&#8220;, dessen Aufgabe urspr\u00fcnglich die Erleichterung unserer Existenzbew\u00e4ltigung war, pl\u00f6tzlich gegen uns. Es entsteht eine Polarit\u00e4t in unserem Miteinander, das sich in ein &#8222;Gegeneinander&#8220; wandelt, es vertieft die Kluft zwischen uns und &#8222;den anderen&#8220;. Und damit sind wir mitten im Thema &#8222;Diversit\u00e4t und Inklusion&#8220;: Finden schulische Entwicklungen in eine solche Richtung statt, so verarmt der N\u00e4hrboden f\u00fcr Vielfalt und das &#8222;Anderssein&#8220; wird ausgegrenzt, anstatt darin ein Potenzial der gegenseitigen Bereicherung zu sehen. Besonders relevant hinsichtlich dieser Diskussion scheint mir die bereits angesprochene Wandlung der allumfassenden Bildung hin zur Erzeugung von Qualifikationen in wirtschaftlichem Interesse. Marktanaloge Strukturen in Form von Kotrolle durch Output-Orientierungen und Kosten-Leistungs-Kalk\u00fcle unter Betonung \u00f6konomischer Kriterien haben l\u00e4ngst in unser Bildungssystem Einzug gefunden. L\u00e4sst sich eine g\u00e4ngige Auffassung, nach der die Wirtschaft schon seit geraumer Zeit immer weniger dem Menschen dient, sondern der Mensch der Wirtschaft, gar auch auf das Schulsystem umlegen?<\/p>\n<p>Bildung wird heute zur &#8222;Ausbildung&#8220;. W\u00e4hrend Bildung ein allumfassender, ganzheitlicher und vor allem hinsichtlich individueller Entfaltung raumgebender Begriff ist, beschreibt Ausbildung meiner Meinung nach ein Konstrukt, das durch Beschneiden der Vielseitigkeit des Bildungsbegriffs auf eine klar vorgefertigte Form entsteht. Der Output &#8222;Mensch&#8220; &#8211; sozusagen das Werkst\u00fcck dieses Formungsprozesses &#8211; passt sich am Ende an diese Form an. Es hei\u00dft, wo gehobelt wird, da fallen Sp\u00e4ne und ich frage mich, ob diese Sp\u00e4ne nicht vielleicht das Wertvollste sind, was wir haben &#8211; ob sie nicht genau das sind, was uns ausmacht. Ich habe einmal gelesen, dass ein guter Bildhauer immer mit der Maserung seines Steins oder seines Holzblocks arbeitet. Arbeitet er gegen die Wuchsrichtung, so droht das Werkst\u00fcck zu zerbrechen. Ich denke, daran kann man sich ein Beispiel nehmen &#8211; um so jedem Menschen zu seiner eigenen, individuellen Form zu verhelfen, die ihm am besten entspricht. Das ist Vielfalt.\u00a0Und darauf sollten wir in all den Bildungsdebatten unser Augenmerk richten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>_____<\/p>\n<h6>Literatur (s\u00e4mtlicher Artikel dieser Reihe):<\/h6>\n<p>Bohnsack, F. (2008). Schule &#8211; Verlust oder St\u00e4rkung der Person? Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.<\/p>\n<p>Fend, H. (20082). Neue Theorie der Schule. Einf\u00fchrung in das Verstehen von Bildungssystemen. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n<p>Grimm G. (2011). Uniformierung und (Sozial-)Disziplinierung als p\u00e4dagogisch-bildungs-politische Leitprinzipien bei der Grundlegung des \u00f6ffentlich-staatlichen Pflichtschulwesens in \u00d6sterreich im 18. Jahrhundert. In S. Sting, &amp; V. Wakounig (Hrsg.), Bildung zwischen Standardisierung, Ausgrenzung und Anerkennung von Diversit\u00e4t, Band 12. (S. 101-113). Wien: LIT Verlag.<\/p>\n<p>Klein, R. (2010). Fest-Stellungen: zur Entsorgung von Reflexivit\u00e4t durch Kultur- und Bildungsstandards. In S. Dungs (Hrsg.), &amp; R. Klein, Standardisierung der Bildung. Zwischen Subjekt und Kultur. (S. 29-54). Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n<p>Oelkers, J. (2003). Wie man Schule entwickelt. Eine bildungspolitische Analyse nach PISA. Weinheim, Basel, Berlin: Beltz Verlag.<\/p>\n<p>Tauscher, A. (1968). Die Stellung des Lehrers in der Gesellschaft von heute oder Die Begegnung von Wirtschaft und Schule. In Sozial- und Wirtschaftskundliche Schriftenreihe, Heft 5. Wien: Sparkassenverlag Gesellschaft m.b.H.<\/p>\n<p>Winter, F. (2006). Leistungsbewertung. Eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit den Sch\u00fclerleistungen. In J. Bennack, A. Kaiser, &amp; R. Winkel (Hrsg.), Grundlagen der Schulp\u00e4dagogik, Band 49. Stuttgard: Schneider Verlag.<\/p>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\"><div class=\"robots-nocontent sd-block sd-social sd-social-icon sd-sharing\"><h3 class=\"sd-title\">Teilen mit:<\/h3><div class=\"sd-content\"><ul><li class=\"share-twitter\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-twitter-243\" class=\"share-twitter sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=243&amp;share=twitter\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-facebook\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-facebook-243\" class=\"share-facebook sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=243&amp;share=facebook\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um auf Facebook zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-email\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-email sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=243&amp;share=email\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem sechsten und letzten Artikel dieser kurzen Beitragsreihe haben wir den anfangs angesprochenen thematischen Bogen beinah zu Ende gespannt. 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