{"id":2548,"date":"2022-01-24T23:24:54","date_gmt":"2022-01-24T22:24:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuleundgesellschaft.work\/blogunisbg\/?p=2548"},"modified":"2022-01-24T23:24:54","modified_gmt":"2022-01-24T22:24:54","slug":"bewegung-im-klassenzimmer-einige-gedanken-zu-henri-meschonnic","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=2548","title":{"rendered":"Bewegung im Klassenzimmer (einige Gedanken zu Henri Meschonnic)"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F2548&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png?w=780\" alt=\"image_pdf\" title=\"View PDF\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F2548&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png?w=780\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/div><p>Bewegung im Klassenzimmer (einige Gedanken zu Henri Meschonnic)<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0 Henri Meschonnic war ein franz\u00f6sischer Lyriker, \u00dcbersetzer und Sprachwissenschaftler. Aufgrund meiner theoretischen Besch\u00e4ftigungen mit Sprache und Sprachkunst bin ich k\u00fcrzlich auf die Werke Meschonnics aufmerksam geworden. Im deutschen Sprach- und Kulturraum sind diese noch nicht wirklich bekannt. So liegen beispielsweise keine \u00dcbersetzungen derselben vor und in der Fachliteratur finden sich nur \u00e4u\u00dferst sp\u00e4rliche Bez\u00fcge. Ausf\u00fchrliche Bearbeitungen sind mir aus dem deutschen Sprachraum nur von Hans L\u00f6sener bekannt, einem Deutsch-Didaktiker. Warum teile ich euch liebe Leser*innen das mit? Obgleich meine Lekt\u00fcren noch recht oberfl\u00e4chlich waren und meine Auseinandersetzungen erst an ihrem Anfang stehen, kamen mir doch Gedanken, welche ich f\u00fcr dieses Forum als Interessant empfinden kann und ich sie somit zwischen den Dingen verorten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0 Meschonnic kritisiert ein Denken, welches K\u00f6rper und Geist (Verstand) dichotom auffasst, als getrennte und voneinander unabh\u00e4ngige Ebenen. Er schreibt dieses Denken vor allem der platonischen Philosophie (teilweise generell der griechischen, was nicht wirklich haltbar ist \u2013 Epikur vertritt beispielsweise abweichende Positionen) zu und beschreibt wie sich diese Form der Selbstwahrnehmung durch die Geschichte des Okzidents bis \u201eheute\u201c gehalten hat. Ein Argument gegen eine solche Position w\u00e4re, dass unser Denkapparat nicht nur isoliert in unserem Kopf sitzt. Verarbeitet werden Informationen, ein neuronales Netzwerk, sowie ein Blutkreislauf, durchziehen unseren K\u00f6rper. Reize werden in chemische Information bzw. Impulse \u00fcbersetzt, zum auswertenden Zentrum transportiert und stellen sich uns folglich als Wahrnehmungen vor. Dass Ver\u00e4nderungen unseres Hormonhaushaltes unsere Wahrnehmung beeinflussen k\u00f6nnen, ist der Psychologie bekannt. In seinem posthum ver\u00f6ffentlichen Werk <em>Endlich: Mein Sterben<\/em> schreibt Christopher Hitchens: \u201eIch habe keinen K\u00f6rper, ich bin ein K\u00f6rper.\u201c. Zentral steht in dieser Erfahrung der K\u00f6rperlichkeit f\u00fcr Meschonnic die Sprache. Jede Sprache und jeder Sprecher\/ jede Sprecherin einer Sprache besitzt seinen\/ ihren eigenen Rhythmus. Sprache und Prozesse der Subjektivierung gehen miteinander einher, bedingen sich. Gleichzeitig haftet ihr eine Historizit\u00e4t an, in welcher sich das Subjekt durch die Sprache verortet.<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0 So weit so gut, doch warum teile ich euch das nun mit? Zum einen habe ich mich im Zuge meiner Besch\u00e4ftigungen selbst ertappt empfunden. Ich bemerkte, dass eine Trennung zwischen K\u00f6rper und Geist in meinem Denken vorherrscht, dass ich meinen K\u00f6rper zur\u00fcckstelle. Zum anderen dachte ich an die Schule, an die Vorstellung Sch\u00fcler*innen k\u00f6nnten f\u00fcr mehrere Stunden an einem Platz sitzen und lediglich ihren Geist anstrengen. An das Lachen \u00fcber Schulen, in denen am Morgen der eigene Name getanzt wird (nach einer Lekt\u00fcre der Werke Meschonnics erscheint dies \u00fcbrigens als \u00e4u\u00dferst sinnvoll). In einem von mir rezipierten Beitrag wird die Voraussetzung der Schrift\/Schriftlichkeit f\u00fcr das abstrakte Denken untersucht. Hierbei wurde diskutiert, ob in vor-homerischer Zeit Schrift existiert haben muss, da Werke wie die <em>Odyssee<\/em> oder <em>Illias<\/em> nur als Schrifterzeugnisse denkbar sind. Folgend wurden Studien, die im Balkangebiet durchgef\u00fchrt wurden, dargelegt, welche eine erhaltene Vortragskunst untersuchen. Es zeigte sich, dass die Memorierungsf\u00e4higkeiten der K\u00fcnstler*innen deutlich \u00fcber einem europ\u00e4ischen Durchschnitt liegen. Die Verbindung von Rhythmus und Tanz, von Geist und K\u00f6rper erh\u00f6ht die Merkf\u00e4higkeit, da nicht blo\u00df abstrakt im Ged\u00e4chtnis Erinnerungen und Inhalte abgerufen werden \u2013 der ganze K\u00f6rper, in einer Verbindung mit dem Verstand, merkt sich etwas. Vermutlich sind \u00e4hnliche Prozesse bei Schauspieler*innen zu beobachten, welche lange Textpassagen aus Skripten auswendig lernen k\u00f6nnen. Ich vermute, dass es deutlich schwieriger w\u00e4re, wenn sie w\u00e4hrend diesem Prozess lediglich auf einem Stuhl sitzen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0 Implikationen f\u00fcr das Klassenzimmer k\u00f6nnen sein, dass der Bewegung, dem lauten Sprechen, vielleicht auch dem Schauspiel und dem Tanz, eine h\u00f6here Bedeutung beigemessen werden. Zum einen erm\u00f6glicht dies den Sch\u00fcler*innen sich im Unterricht als Subjekte wahrzunehmen und zum anderen geschehen Lernen und Memorieren in einem erweiterten Sinne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bez\u00fcge<\/p>\n<p>Joseph, John E.: \u201eLanguage-Body Continuity in the Linguistics-Semiology-Poetics-Traductology of Henri Meschonnic.\u201c In: <em>Comparative Critical Studies<\/em> 15 (2018) H.3, S. 211-329<\/p>\n<p>Pajevic, Marko: \u201eBeyond the sign. Henri Meschonnic\u2019s poetics oft he continuum and of rhythm: Towards an anthropological theory of Language\u201c. In: <em>Forum for Modern Language Studies<\/em> 47 (2011). H.3, S. 304-318<\/p>\n<p>Pajevic, Marko\/ Smith, David Nowell: \u201eA Poetics of Society: Thinking Language with Henri Meschonnic\u201c. In: <em>Comparative Critical Studies<\/em> 15 (2018). H.3, S. 279-310<\/p>\n<p>Serge, Martin : \u201eOn Rhythm: Voice and Relation\u201c, In: <em>Comparative Critical Studies<\/em> 15 (2018). H. 3, S. 331-347<\/p>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\"><div class=\"robots-nocontent sd-block sd-social sd-social-icon sd-sharing\"><h3 class=\"sd-title\">Teilen mit:<\/h3><div class=\"sd-content\"><ul><li class=\"share-twitter\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-twitter-2548\" class=\"share-twitter sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=2548&amp;share=twitter\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-facebook\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-facebook-2548\" class=\"share-facebook sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=2548&amp;share=facebook\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um auf Facebook zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-email\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-email sd-button share-icon no-text\" href=\"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/schuleundgesellschaft\/?p=2548&amp;share=email\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um dies einem Freund per E-Mail zu senden (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bewegung im Klassenzimmer (einige Gedanken zu Henri Meschonnic) \u00a0\u00a0 Henri Meschonnic war ein franz\u00f6sischer Lyriker, \u00dcbersetzer und Sprachwissenschaftler. 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