{"id":35,"date":"2017-02-15T12:33:05","date_gmt":"2017-02-15T11:33:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/?page_id=35"},"modified":"2025-05-19T21:26:23","modified_gmt":"2025-05-19T19:26:23","slug":"selbst","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/selbst\/","title":{"rendered":"Selbst"},"content":{"rendered":"<p>Pers\u00f6nlichkeitstheorie f\u00fcr Supervision und Intervision<\/p>\n<p>Die Entwicklung der menschlichen Pers\u00f6nlichkeit vollzieht sich im Energiefeld zweier psychischer Pole. Dem Denken \u00fcber sich selbst, den damit verbundenen Bewertungen und Annahmen auf der einen Seite und andererseits dem Denken \u00fcber andere und den damit verbundenen Haltungen zu diesen. In diesem Spannungsfeld von Selbstmodell und Beziehungsmodell entwickeln sich prim\u00e4re psychische und handlungsbezogene Muster des Individuums (Eisner, 2010). Die Bedeutung dieser bindungstheo\u00adretischen Einflussfaktoren als fundamentales psychologisches Regulativ wird bei Kuhl (2010a), im Kontext emotionaler und motivationaler Selbstregulation, als innere Sicherheit beschrieben.<\/p>\n<p>Nach Kuhl (2010a) ist ein guter Selbstzugang Voraussetzung f\u00fcr Empathie, welche folglich Voraus\u00adsetz\u00adung des Zugangs zum \u201eDu\u201c ist und so erst situationsgerechtes und bed\u00fcrfnisgerechtes Interve\u00adnieren m\u00f6glich macht. Also, eine Voraussetzung f\u00fcr soziales Verhalten. Grundlage eines guten Selbst\u00adzuganges ist die ausgewogene Verf\u00fcgbarkeit kognitiver verhaltens\u00adsteuernder Ressourcen, welche Kuhl in seiner Pers\u00f6nlichkeits-System-Integration Theorie (PSI) in vier Makrosysteme gliedert (Kuhl &amp; Alsleben, 2009, 2009; Martens &amp; Kuhl, 2013, 2013).<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt die intuitive Verhaltenssteuerung (IVS), welche vornehmlich auf das Ausf\u00fchren von automatisierten Handlungen spezialisiert ist. Alles, was intuitiv und spontan in die Welt tritt, hat in irgendeiner Form seinen Ursprung im Ged\u00e4chtnissystem der IVS. Das explizite Intentionsged\u00e4chtnis (IG) oder auch als Absichtsged\u00e4chtnis bezeichnet, ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die Speicherung und Aufrechter\u00adhalt\u00adung von bewussten Absichten und verk\u00f6rpert das, was gemeinhin als rationales (vern\u00fcnftiges) Denken beschrieben wird. Im Sinne der Selbststeuerung bestehen die drei Haupt\u00adauf\u00adgaben in der Aufrechterhaltung einer Absicht, der Ausf\u00fchrungshemmung und der Initiative. Im Objekt\u00aderkennungs\u00adsystem (OES) wird vornehmlich die Wahrnehmung und das Erkennen respektive Wiedererkennen von Objekten gesteuert. Dieses System ist mit einer ver\u00e4nderungs\u00adsensitiven und konfliktsensitiven Aufmerksamkeitsvariante verbunden. Tendenziell beg\u00fcnstigt eine starke Auspr\u00e4gung dieses Denkstils eine fehlerorientierte Haltung und Einstellung.<\/p>\n<p>Dem vierten kognitiven System, dem impliziten Extensionsged\u00e4chtnis (EG), werden integrative funkti\u00adonale Aufgaben zugeschrieben. Es ist in seiner puren und rudiment\u00e4ren Form das absichtslose und intuitive Sein (Sein-Modus). Zudem beherbergt es grundlegende funktionale Merkmale des Selbstsys\u00adtems. Im Gewahrsein als SELBST geschieht die Verbindung zwischen der Wahrnehmung eigener Be\u00add\u00fcrf\u00adnisse, Gef\u00fchle, K\u00f6rperwahrnehmungen, Pr\u00e4ferenzen und Werte etc. mit den funktionalen Kom\u00adpo\u00adnen\u00adten aller vier Ged\u00e4chtnis\u00adsysteme. F\u00fcr ein gut integriertes SELBST und einen guten Selbstzugang leistet daher das Extensionsged\u00e4chtnis i.S.d. \u201eSein-Modus\u201c grundlegendes. Es unterst\u00fctzt die an die affektive Ebene angebundene Selbststeuerung und hilft bei der Regulation von Emotionen und Stress. Dies geschieht vorrangig dadurch, dass affektive Ereignisse und bewusste Prozesse durch das integrativ arbeitende SELBST in eine Verbindung gebracht werden, welche ein kongruentes Gewahr-Sein der Pers\u00f6nlichkeit durch balanciertes Wahrnehmen der Innen- und Au\u00dfenwelt erm\u00f6glichen (vgl. Kuhl, 2010a, S. 321; adaptiert\/erg\u00e4nzt d.d.A.).<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung ist ein Prozess der Begegnung von Ich, Sein und Umwelt und erm\u00f6glicht so die Erfahrung von SELBST. \u00a0Das SELBST (Storch &amp; Kuhl, 2012; Kuhl, 2010b, S. 549), hier begrifflich differenziert und repr\u00e4sentiert durch das \u201eSEIN\u201c, umfasst jenen un- und vorbewussten Ged\u00e4chtnisanteil, der die gesamte gesammelte Lebenserfahrung repr\u00e4sentiert und mit Emotionen und Bed\u00fcrfnissen vernetzt ist. Der bewussten ICH-Erfahrung ist dieser Raum immer nur fragmentarisch zug\u00e4nglich und aufgrund seiner Komplexit\u00e4t niemals vollst\u00e4ndig erfassbar. Der Bereich des SELBST als solches, ist durch die intentionale Nutzung (IG) von Parallelverarbeitung gekennzeich\u00adnet (EG) und kann so gespeicherte Ged\u00e4cht\u00adnisinhalte mit den aktuellen Bed\u00fcrfnissen und Absichten integrativ verarbeiten bzw. schnell verkn\u00fcpfen (Intuition).<\/p>\n<p>Das SELBST tritt als reflektiertes psychisches Ph\u00e4nomen an den Tag, welches seine Wurzeln im rechtshemisph\u00e4rischen Sein-Modus hat. \u00a0Der Sein-Modus ist bei Kuhl (ebd.) im Makrosystem SELBST integriert beschrieben. Zur Verdeutlichung soll an dieser Stelle der Sein-Modus als ein tendenziell einseitiges Verweilen in der Abwehr negativen Affekts, i.S. von (hedonistischer) Sensitivit\u00e4t herausgehoben werden. Das SELBST ist als ein alle Makrosysteme der PSI integrierendes Konzept dargestellt (s. Abbildung 1, unten). Im Gewahrsein als SELBST ist die dynamische Balance zwischen ICH-Modus und Sein-Modus realisiert. Dies entspricht analog dem, was z. B. beim Jonglieren erlebt werden kann. Dort vermischt sich bewusste Handlungssteuerung mit intuitivem Handeln und F\u00fchlen bzw. (Er)sp\u00fcren. Nur in diesem Zustand ist die Ausf\u00fchrung einer komplexen Aufgabe wie das Jonglieren erst m\u00f6glich. Der Selbstzugang, also das mehr oder weniger gleichzeitige Nutzen von gerichtetem intentionalem Gewahrsein und dem Verwenden intuitiver Kompetenzen, erm\u00f6glicht die Erfahrung und die Nutzung von dem, was bei Kuhl (ebd.) als SELBST bezeichnet wird. Der aus dem SELBST denkende und handelnde Mensch nutzt gewisserma\u00dfen intentional affektive und andere unbewusste Erfahrungen als erweiternde Ressource.<\/p>\n<p>Das Konstrukt Selbstzugang umschreibt psychologische und verhaltensbezogene Eigenschaften und Handlungstendenzen. Diese fokussieren prim\u00e4r empathische F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten sowie unterst\u00fctzende Handlungen und Haltungen. Dabei sind das Gesp\u00fcr f\u00fcr authentisches Verhalten, das Erkennen von Unterst\u00fctzungsbedarf sowie der angemessene und angebrachte Umgang mit St\u00e4rken und Schw\u00e4chen von anderen Menschen zentral. Des Weiteren sind f\u00fcr einen guten Selbstzugang, die Neigung, Anerkennung zu geben, Verst\u00e4ndnis zeigen, Freude und Erfolge teilen sowie ein Ressourcen-orientier\u00adter Umgang mit Entt\u00e4uschungen von Menschen Bestandteile eines (guten) Selbstzuganges. Der Selbstzugang zeigt an, inwieweit Sie im Umgang mit Menschen Zugang zu ihrem SELBST besitzen, welches Sie bef\u00e4higt, auf eine authentische Weise sowohl die eigenen als auch die Bed\u00fcrfnisse und Gef\u00fchle anderer wahrzunehmen (vgl. Kuhl &amp; Solzbacher, 2009).<\/p>\n<p>Als Selbstregulation k\u00f6nnen bewusste kognitive Prozesse bezeichnet werden, die durch jene Wachsamkeit gekennzeichnet ist, welche die SEIN-Anteile des Ged\u00e4chtnisses (Vor- und Unbewusstsein) als integrierte Erfahrungswelt, sowie damit verbundene Bed\u00fcrfnisse, Werte und Emotionen nutzt, um zu optimalen Entscheidungen und Handlungsabsichten zu gelangen (vgl. Kuhl, 2010b, S. 550).<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"149\" data-permalink=\"https:\/\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/selbst\/psi1\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSI1.jpg?fit=637%2C575&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"637,575\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;Eisner Josef&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"PSI1\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSI1.jpg?fit=300%2C271&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSI1.jpg?fit=637%2C575&amp;ssl=1\" class=\"alignnone wp-image-149\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSI1.jpg?resize=618%2C558\" alt=\"\" width=\"618\" height=\"558\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSI1.jpg?resize=300%2C271&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSI1.jpg?resize=624%2C563&amp;ssl=1 624w, https:\/\/i0.wp.com\/www.eisner-consulting.at\/selbstvertrauen\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSI1.jpg?w=637&amp;ssl=1 637w\" sizes=\"auto, (max-width: 618px) 100vw, 618px\" \/><\/p>\n<p>\u201eJeder Mensch verf\u00fcgt \u00fcber diese vier miteinander interagierenden psychischen Teilsysteme [\u2026]. Das Zusammenwirken dieser Systeme bestimmt das Denken, Handeln und insbesondere auch die \u201aHalt\u00adung\u2018 einer Person. Wie eine Person die Welt und andere Personen wahrnimmt, in welchen emotional\u00aden Zust\u00e4nden sie sich in diversen Alltagssituationen befindet, wie sie handelt [\u2026] und welche Haltung sie einnimmt, ist demnach abh\u00e4ngig vom Zusammenwirken und Funktionieren dieser Teilsysteme. Bezogen auf [berufst\u00e4tige Menschen] bedeutet das, dass auch ihre spezielle\u201a professionelle [&#8230;] Haltung entscheidend vom Zusammenwirken und Funktionieren dieser vier psychischen Teil\u00adsysteme abh\u00e4ngt. Das hei\u00dft, alle vier Teilsysteme m\u00fcssen gleicherma\u00dfen ausgebildet sein und dann genutzt werden, wenn die Situation es erfordert\u201c (Kuhl et al., 2014, S.85f)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pers\u00f6nlichkeitstheorie f\u00fcr Supervision und Intervision Die Entwicklung der menschlichen Pers\u00f6nlichkeit vollzieht sich im Energiefeld zweier psychischer Pole. 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